Bildunterschrift: Neubau am Hörgensweg: Die Wohnungen sollen im Frühsommer fertig werden. Foto: jbd

Am Hörgensweg werden nun doch weniger Flüchtlinge wohnen, als ursprünglich geplant (das Elbe Wochenblatt berichtete). Zumindest vorerst. Das sieht eine neue Vereinbarung der Stadt mit dem Bauherren Fewa vor. Der Bau wird für die Stadt aber deutlich teurer als geplant. Allein den Christdemokraten in der Bürgerschaft stößt die Finanzierung des Projekts auf.

„Rot-Grün hat hier Millionen aus dem Fenster geworfen“, lautet der Vorwurf der Bürgerschafts-CDU in einer Pressemitteilung. Der Grund für die Preissteigerung: Für Flüchtlingswohnungen braucht man zwar weniger Schallschutz, aber Sicherheitstreppenhäuser.

Was ist gemeint? Es geht um den ersten Bauabschnitt des Großprojekts: Die neue Vereinbarung sieht wie bisher den Bau insgesamt 364 Wohnungen vor. Neu ist: Nur 73 Wohnungen sollen von Flüchtlingen mit Bleibeaussicht bezogen werden, insgesamt 300 Personen. Dafür entstandnen zwei Häuser und eine Kindertagesstätte. Die restlichen 291 Wohnungen sollen als Sozialwohnungen genutzt werden. Ursprünglich sollten alle 364 Wohnungen als Flüchtlingswohnungen von der Stadt angemietet werden.

Warum ist das ein Geldproblem? Der Bau wird durch die Sozialwohnungen jetzt teurer, denn für Flüchtlingswohnungen hätte man weniger Schallschutz gebraucht (siehe Infotext). Dafür legt die Stadt jetzt 1,4 Millionen Euro für so genannte Hafencity-Fenster mit besonders gutem Schallschutz drauf. Andererseits hätte man das Geld zum Beispiel für teure Sicherheitstreppenhäuser für den Großteil der Wohnungen jetzt eigentlich sparen können.
Die Stadt hat sich verpflichtet, den zugesagten Baukostenzuschuss wegen erschwerten „Nutzungsbedingungen“ – gemeint ist die Flüchtlingsunterbringung – aber trotzdem zu zahlen. Auch wenn die teuren geplanten Sicherheitstreppenhäuser für die Sozialwohnungen eigentlich nicht nötig gewesen wären.

Worüber ärgert sich die CDU? Das hätte man früher wissen können, sagt der Bürgerschaftsabgeordnete Philipp Heißner: „Diese Kosten entstehen, weil der Senat 2016 einen Mietvertrag abgeschlossen hat, von dem schon damals bekannt war, dass er angesichts der Bürgerverträge (der Stadt mit verschiedenen Bürgerinitiativen, Anm. d. Red.) seitens der Stadt nicht eingehalten werden kann. Ohne den Zuschuss hätte die Fewa nicht gebaut, rechtfertigt Constanze Szombathely, Sprecherin der Stadtentwicklungsbehörde den Zuschuss. Nun sei die Stadt in der Pflicht, zugesagtes Geld zu zahlen, zumal der Bau fast fertig sei.

Andere Regeln für Flüchtlinge

Wohnungen speziell für die Unterbringung von Flüchtlingen heißen im Behördendeutsch „Anlagen für Soziale Zwecke“. Diese Klassifizierung bedeutet: Der Schallschutz kann nach DIN 4109 einfacher ausfallen. Die „Schallschutzanforderungen sind um fünf Dezibel vermindert“, erklärt Constanze Szombathely, etwa wie bei Bürogebäuden.

Warum ist das erlaubt? „Die Flüchtlinge halten sich nur vorübergehend dort auf“, sagt Szombathely. Wielange das tatsächlich sein wird, weiß man allerdings nicht.

Die Wohnungen im Hörgensweg werden aber alle – auch die Flüchtlingswohnungen – mit den besseren Hafencity-Fenstern ausgestattet, sagt die Behördensprecherin, sodass keine Gesundheitsprobleme zu erwarten sind, auch später nicht, wenn sie als „normale“ Wohnungen genutzt werden.
Deutlich teurer sind Flüchtlingswohnungen in Sachen Sicherheit: Weil darin mehr Menschen je Quadratmeter wohnen, als in üblichen Sozialwohnungen, müssen zusätzliche Außentreppenhäuser als Fluchtweg zum Beispiel bei einem Feuer her. Wo dass nicht möglich ist – zum Beispiel aus Platzgründen – kann man auch teurere Sicherheitstreppenhäuser bauen: Die werden im Brandfall mit einer Druckluftanlage von Rauch freigehalten. Doch dann braucht man eine zusätzliche Stromversorgung, die auch bei einem Feuer funktioniert.

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