Vom Elbufer sieht man die riesigen Schiffe vorbeiziehen. Foto: Kroll

Für alte Diesel-Autos gibt es Fahrverbote, um den NO2-Gehalt der Hamburger Luft zu senken. Und was ist mit den Schiffen? Regelmäßig nebeln große Pötte weite Teile des Hafens, aber auch andere elbnahe Straßen ein. Wer in Hamburg direkt an der Elbe wohnt oder arbeitet, bezahlt den besonders schönen Blick unter Umständen mit besonders schlechter Atemluft.

Wo ist die Luft besonders mit Stickoxiden NO2 belastet? Sogar an der noblen Elbchaussee, in der Straße Neumühlen, der Kaistraße, der Großen Elbstraße, der Van-der-Smissen-Straße, der Breiten Straße, am St. Pauli-Fischmarkt, in der St. Pauli-Hafenstraße und an den Landungsbrücken werden regelmäßig die Grenzwerte der Europäischen Union überschritten, zeigt eine Karte des Allgemeine Deutsche Fahrradclub ADFC Hamburg.

Wie kommen diese hohen Werte abseits der Hauptverkehrsadern zustande? Hamburg ist durch seine Lage am Fluss mit einem großen Hafen in einer besonderen Situation. Die Abgase der Schiffe werden vom Wind auch an die bebauten Elbhänge getragen. Malte Siebert vom Naturschutzbund Hamburg Nabu betont, dass „Schiffe für 39 Prozent der Stickoxidemissionen in Hamburg verantwortlich“ seien. Denn die großen Schiffe werden von Dieselmotoren angetrieben.

Containerschiffe sind laut Luftreihalteplan für 68 Prozent der schiffsbedingten NO2-Emissionen verantwortlich, Kreuzfahrtschiffe für zweieinhalb Prozent – zusätzlich zum Straßenverkehr.

Was kann man dagegen tun? Grundsätzlich könnten sowohl Containerriesen als auch Kreuzfahrtschiffe mit Flüssigerdgas („LNG“, siehe Infokasten) fahren, bei dessen Verbrennung weniger NO2 freigesetzt wird. Doch nur wenige haben dafür ausgelegte Motoren. Für die Stromversorgung während der Liegezeiten im Hafen könnte man Land-strom einsetzen, doch nur zehn Prozent der Schiffe sind dafür ausgerüstet, heißt es im Luftreinhalteplan. Die Umrüstung ist den meisten Reedern zu teuer, zumal weltweit nur in sehr wenigen Häfen die Versorgung mit Landstrom angeboten wird.

Diese Karte basiert auf Werten, die vom Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung sowie der Behörde für Umwelt und Energie ermittelt und vom ADFC in einer Karte visualisiert wurden.
Karte: Leaflet/ OpenStreetMap

?? https://hamburg.adfc.de/verkehr/themen-a-z/tempo-30/laeuft/karte-grenzwertueberschreitungen

Was ist LNG?

Die Abkürzung LNG steht für das englische „liquefied natural gas“, also Flüssiggas. Es wird durch starke Abkühlung aus Erdgas gewonnen. Bisher gibt es aber nur wenige Schiffe, die mit Flüssiggas fahren, darunter die Fahrgastschiffe Helgoland und das Kreuzfahrtschiff AIDAPrima. Das liegt auch daran, dass nur in wenigen Häfen Tankanlagen für LNG zur Verfügung stehen.

Für die Umwelt wird LNG außerdem nicht nur positiv bewertet, wenn man nicht nur die Stickoxidwerte sondern die Auswirkungen auf das Klima betrachtet:?Wird LNG ohne Katalysator verbrannt, kann sehr klimaschädliches Methan in die Atmosphäre gelangen.
(Quelle:?Wikipedia)

Nützen Anlagen für Landstrom und LNG?

Im Hamburger Hafen gibt es für Kreuzfahrtschiffe an allen drei Kreuzfahrtterminals Möglichkeiten, sich während der Liegezeit mit alternativer Energie zu versorgen und den Schiffsdiesel auszuschalten: Die Landstromanlage mit Ökostrom aus Winenergie am Terminal Altona, die so genannte „LNG Hybrid Barge“ ­– quasi ein mit LNG betriebenes, schwimmendes Kleinkraftwerk – am Terminal HafenCity und die Versorgung mit LNG von Land aus am Terminal Steinwerder.
Doch die Anlagen werden wenig genutzt:?Die zehn Millionen teure Landstromanlage für Kreuzfahrtschiffe in Altona können überhaupt nur fünf der Hamburg anlaufenden Kreuzfahrtschiffe nutzten, tatsächlich tut dies nur eines, die AIDASol. Trotzdem will Hamburg jetzt am HafenCity-Terminal eine zweite Landstromanlage bauen.

Die LNG-Anlage am Terminal Steinwerder wird ebenfalls nur von einem AIDA-Schiff, der AIDAPrima, genutzt.

Für Schiffe an anderen Liegeplätzen gibt es keine Möglichkeit, sich während der Liegezeit mit alternativem Strom zu versorgen.
Selbst eine Zwangsabnahme von Landstrom würde kaum nützen, denn: Die meisten Schiffe könnten Hamburg dann nicht mehr anlaufen, weil sie dafür nicht ausgerüstet sind, genausowenig wie für die Verbrennung von LNG. Hier würden wohl nur internationale Absprachen helfen, damit sich die Umrüstung der Schiffe für die Eigner lohnt.

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