Kommt weg: Der 150 Jahre alte Altbau an der Ecke Barner-/Bahrenfelder Straße ist stark sanierungsbedürftig. Auch der benachbarte Flachbau mit dem Restaurant „Mamma Mia“ ist betroffen. Foto: pr

Wieder ein Neubau für Ottensen: An der belebten Ecke Barner-/Bahrenfelder Straße, direkt gegenüber der Fabrik, plant das Immobilienunternehmen Köhler & von Bargen ein vierstöckiges Gebäude für Wohnen und Gewerbe zu errichten. Für eine ganze Reihe ansässiger Restaurants und Imbisse, die teils über den Stadtteil hinaus bekannt sind, bedeutet dies – zumindest vorläufige – das Aus: Betroffen sind das italienische Restaurant „Mamma Mia“, die griechische „Taverna Sotiris“, die Imbisse „Al Arabi“ und „Babylon“, sowie die Shisha-Bar „Manara“. Spätestens Ende Januar 2019 soll für die Gastroanbieter Schluss sein: Bis dahin laufen die Mietverträge. Sein letztes Jahr erlebt damit auch das Gebäude: ein knapp 150 Jahre alter, zweistöckiger Altbau, in dem früher eine Fischräucherei zuhause war.

Konkrete Baupläne existieren noch nicht. „Geplant sind Häuser, die sich in ihrer Größe und Gestaltung an der direkten Umgebung ausrichten und die Nutzungsstruktur Ottensens aufgreifen“, heißt es lediglich in der Pressemitteilung.

Allerdings will der Investor – noch ganz unter dem Eindruck des Konflikts um die Nutzung des unweit gelegenen Zeiseparkplatzes (das Elbe Wochenblatt berichtete) – diesmal alles richtig machen: Geplant ist, die Anwohner zu einem öffentlichen Workshop einzuladen, dessen Ergebnisse in einen anschließenden Architekturwettbewerb einfließen. Für diesen Wettbewerb werden noch zwei Jurymitglieder gesucht, die ebenfalls aus den Reihen der Workshopteilnehmer kommen sollen. „Alle Beteiligten wissen um die Beliebtheit dieser stark frequentierten Ecke des Stadtteils“, sagt Firmenchef Helmut Köhler. Deshalb habe für den Eigentümer von Beginn an festgestanden, die Öffentlichkeit umfänglich einzubeziehen. „Wir hoffen auf eine rege Teilnahme an diesem Verfahren, um gemeinsam ein Konzept zu entwickeln, das in Ottensen Akzeptanz findet.“

Einige der betroffenen Restaurantbetreiber wollen nach Fertigstellung wieder in den Neubau einziehen. „Wir sind alle Ottenser Jungs und gehören hierher“, sagt Sotiris-Geschäftsführer Sadik Rasimi. Er hoffe darauf, dass man ihm mit der Miete entgegenkomme, „da ich ja mindestens zwei Jahre Ausfall zu verkraften haben werde.“

www.barner24.de

Fischräucherei

Das Gebäude der „Fischräucherei und Marinieranstalt Heinrich Gerlach“ in einer Aufnahme aus den 1930er-Jahren. Noch bis 1952 wurde hier Fisch produziert.
Foto: Stadtteilarchiv Ottensen

Das gelbe Eckhaus mit den stuckverzierten Fassadenfenstern hat eine bewegte Vergangenheit: Um das Jahr 1900 herum waren hier – in der „Fischräucherei und Marinieranstalt Heinrich Gerlach“ – tagein, tagaus bis zu 90 Frauen gleichzeitig mit der Verarbeitung von Frischfrisch beschäftigt. Der Betrieb galt als einer der größten seiner Art in Altona und produzierte unter anderem täglich acht Tonnen der begehrten „Kieler Sprotten“. Weitere Infos finden sich im Buch „Mitten durch Ottensen – Die Bahrenfelder Straße“, das vom Ottenser Stadtteilarchiv herausgegeben wurde. „Damals gehörte die Arbeit in der Fischfabrik – neben dem Lumpensammeln – zu den schlecht bezahlten, am wenigsten angesehenen und sehr schmutzigen Tätigkeiten. Ihre Merkmale waren: Kälte, Nässe, Abfall und der in alle Poren, Haare, Kleidungsstücke eindringende Fischgeruch“, schreibt Autorin Anne Frühauf.

Trotz seiner langen Geschichte steht das Haus nicht unter Denkmalschutz – weil es offenbar zu häufig umgebaut wurde. Wie schnell es jetzt mit dem Neubau geht, hängt in erster Linie davon ab, ob ein neuer Bebauungsplan erstellt werden muss. „Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn der Investor nicht nur am Rand, sondern auch in der Mitte des Grundstücks in die Höhe bauen will“, sagt Sven Hielscher (CDU), Vorsitzender des Altonaer Planungsausschusses.

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