Im Bezirk Harburg ließen sich die Damen des ESV Einigkeit als erste Fußballerinnen Spielerpässe vom Hamburger Fußballverband ausstellen. Fotos: schreiber

Am 1. Januar 1968 fand auf dem Sportplatz Landesgrenze das erste Frauenfußballspiel in Hamburg statt.

Die „Spielgemeinschaft Wilhelmsburger Fußball–Altherren-Auswahl“ war nach dem Neujahrsspiel 1967 gerade offiziell gegründet und hatte die Neuauflage in der Vorbereitung. Doch da kam Einwand von den Spielerfrauen: „Wieder eine Silvesterfeier, bei der sich unsere Männer zurückhalten müssen“ Doch WAH-Gründer Uwe Hansen konterte: „Dann spielt ihr doch auch Fußball“ Und die Frauen reagierten spontan: „Dann organisiere das doch“

Die große Hürde, die dabei zu nehmen war: Frauenfußball war von den Fußballverbänden offiziell verboten. „Das galt es zu umgehen“, erinnert sich Uwe Hansen. Seine Idee: „Wir geben den Frauenmannschaften Pseudo–Namen.“ So wurde aus den Gymnastikdamen des TSC Viktoria „Eintracht Kopftuch“ und aus den Handballerinnen des ESV Einigkeit der „FC United Strumpfhose“. Sogar das NDR–Fernsehen war bei der Premiere am 1. Januar 1968 dabei, als die Frauen auf dem Sportplatz „Landesgrenze“ das Vorprogramm zum Klassiker Wilhelmsburger AH–Auswahl gegen Hamburgs Schiedsrichter–Auswahl austrugen.

Die Elbinsel Wilhelmsburg wurde zum Mekka des „MMMMM“, zu deutsch ganz schlicht: „Macht müde Männer mächtig munter!“ Die Damen hatten so viel Spaß dabei, dass sie auf Wiederholung drängten. Die Zahl der Wilhelmsburger Frauenfußball–Mannschaften erhöhte sich dabei auf vier Teams. Die Handballerinnen vom TCW kamen mit ihrem „SV Minirock“ und die vom TSV Veddel mit ihrer „Borussia Bluse“ dazu.

Trotz weiterhin heftigen Widerstands des Fußball–Verbandes machte Uwe Hansen jedoch weiter und organisierte die erste Wilhelmsburger Frauenfußball–Meisterschaft mit Sieger „SV Minirock“. Der von Uwe Hansen gestiftete erste Hamburger Frauenfußball–Pokal war damit vergeben, der Frauenfußball in Hamburg nicht mehr aufzuhalten. Die ersten Spielerpässe stellte der HFV Spielerinnen von HT 1816 aus.

Im Schulterschluss mit dem aus Wilhelmsburg stammenden NDR–Sportreporter Kurt Emmerich kam es am „N3–Sport-magazin–Stammtisch“ zu einer Fernsehdiskussion mit Elisabeth Brückner vom „SV Minirock“, der sich der damalige Hamburger Verbands–Präsident Dr. Horst Barrelet stellen musste. Im Oktober 1970 hob der Deutsche Fußballbund das Frauenfußball–Verbot auf.

Bereits 1970 richtete Uwe Hansen auf dem Sportplatz Vogelhüttendeich die erste inoffizielle Hamburger Frauenfußball–Meisterschaft aus. Zwölf Mannschaften traten vor den 1.567 zahlenden Zuschauern an. Das Finale gewann die HT 1816 in letzter Spielminute gegen die FSV?Harburg durch einen vom damaligen Wilhelmsburger Bundesliga–Schiedsrichter Manfred Holze (Viktoria) verhängten Elfmeter mit 1:0.

Sabine Vehlow, Annegret Brandes, Adelheid Kraßmann und Anke Kohlmeier (v.l., alle Einigkeit Wilhelmsburg) waren die ersten Schiedsrichterinnen in Harburg. Foto: schreiber

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