Platz für Gewerbe und Clubs? Für den Neubau am S-Bahnhof Sternschanze müssten Bäume gefällt werden. Foto: FS

Von Fritz Schenkel. Die Gemengelage unterschiedlicher Interessen ist kompliziert. Seit 1926 überspannt die unter Denkmalschutz stehende Sternbrücke Stresemannstraße und Altonaer Straße, auf denen sich täglich Zehntausende von Autos mehr oder weniger bewegen. Die Verkehrssituation für Radfahrer und Fußgänger gilt als unübersichtlich bis gefährlich. In den Brückengewölben sind die angesagten Szene-Clubs „Astra-Stube“, „Fundbureau“ und „Waagenbau“ untergebracht. Für 2020 plant die Deutsche Bahn AG den Neubau der Brücke. Dafür müssten nicht nur einige ebenfalls unter Denkmalschutz stehende Gründerzeithäuser in unmittelbarer Nähe abgerissen werden, sondern für die drei Szeneclubs gäbe es in den neuen Gewölben ebenfalls keinen Platz mehr. Ihre Mietverträge laufen Ende 2019 aus.

Geht es nach Clubbetreiber John Schiernhorn, dann entstehen sie auf dem Gelände zwischen dem S-Bahn- und U-Bahn-Ausgang Sternschanze neu. Für ihn „ist dieser Standort optimal“ und alternativlos, sollten die Clubs weiterhin als Trio bestehen. Ein Plan, den auch die Stadterneuerungs- und Stadtentwicklungsgesellschaft Hamburg steg verfolgt. 2016 hatte sie bereits ähnliche Überlegungen mit ausschließlicher Gewerbenutzung vorgelegt, nun sollen in den 3.000 bis 4.000 Quadratmeter Nutzungsfläche umfassenden Neubau auch die Clubs mit einziehen dürfen.

Im Schanzenviertel selbst haben diese Pläne mitnichten ungeteilte Begeisterung ausgelöst. So steht der Stadteilbeirat der Bebauung, der einige Dutzend, teils jahrzehntealte Bäume zum Opfer fallen müssten, bisher ablehnend gegenüber. Er sprach sich bislang für die Beibehaltung „einer der wenigen freien Grünflächen im Stadtviertel“ aus. Auch der auf der gegenüber liegenden Straßenseite beheimatete SC Sternschanze steht der Bebauung kritisch gegenüber. Gespalten waren die Meinungen der Parteien im „Ausschuss für Wirtschaft, Arbeit und regionale Stadtentwick-lung“: Während Grüne und Linke sich gegen eine Bebauung aussprachen, unterstützten SPD und CDU das Vorhaben. Die SPD sprach sich dabei für ein Bürgerbeteiligungsverfahren aus.
Ein Vorschlag, der vielen „Schanzianern“ aufgrund desillusionierender Erfahrungen beim Bahnhofsvorplatz, der Rindermarkthalle und der Brammerfläche nur ein müdes Lächeln ins Gesicht quält.

So sieht es unter der Sternbrücke heute aus: „Waagenbau“ (l.) und „Astra-Stube“ sollen nach dem Willen der Bahn Ende 2019 ausziehen. Foto: FS

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