Werden derzeit gedruckt: So werden die Fahrverbotsschilder aussehen. Foto: BUE/ Twitter

Von Gaby Pöpleu. Umweltsenator Jens Kerstan war diesmal der Erste: In Hamburg wird es Fahrverbote geben, verkündete er unmittelbar nach der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig am vergangenen Dienstag, dass Städte dies grundsätzlich tun dürfen. Das konnte so schnell gehen, da die Pläne für die Durchfahrtsverbote schon in der Schublade lagen. Schon ab Ende April sollen sie gelten.
In Hamburg wird es nur in zwei Straßen Fahrverbote geben: In der Max-Brauer-Allee werden alle Diesel, die nicht der Abgasnorm Euro 6 (Autos) oder VI (Lastwagen) entsprechen, auf einer Strecken von 580 Metern zwischen Julius-Leber-Straße und Holstenstraße ausgesperrt. In der Stresemannstraße dürfen auf 1.600 Metern zwischen Kaltenkircher Platz und Neuer Pferdemarkt keine alten Diesellastwagen fahren. PKW sind hier nicht betroffen. Und es gibt sehr viele Ausnahmen: Anwohner, Besucher, Krankenwagen, die Müllabfuhr, Lieferanten und Handwerker dürfen trotzdem durchfahren.

Stichprobenartige Kontrollen durch die Polizei

Noch nicht abschließend geklärt ist die Kontrolle:?Wird es eine in ganz Deutschland gültige blaue Plakette geben? Oder muss die Polizei sich von jedem Autofahrer den Kraftfahzeugschein zeigen lassen, um herauszubekommen, wie sauber der jeweilige Diesel ist? Die Umweltbehörde spricht von „Schwerpunkt- und Stichprobenkontrollen“ durch die Polizei, besonders zu Beginn der Fahrverbote. ?

Die Verbote sollen solange bestehen bleiben, bis die NO2-Werte „auch ohne die Maßnahmen im Jahresdurchschnitt unter dem EU-Grenzwert bleiben“.
Umstritten ist die Wirksamkeit der Fahrverbote, denn es wird Ausweichverkehr geben. Kerstans Behörde schlägt offiziell Ausweichrouten (siehe Infotext) vor. Möglicherweise betroffene Anwohner der Alternativstrecken haben schon mit Klagen gedroht.
Reicht das Fahrverbot, um in Zukunft unter den NO2-Grenzwerten zu bleiben? Das wesentliche Problem Hamburgs werde dadurch nicht gelöst, sagt Malte Siegert vom Naturschutzbund Nabu Hamburg. Er betont, „dass Schiffe für 39 Prozent der Stickoxidemissionen in Hamburg verantwortlich sind, der Kfz-Verkehr für 29 Prozent“, so steht es im Hamburger Luftreinhalteplan. Große Schiffe, besonders die Kreuzfahrtschiffe, nebeln Hafenrandgebiete mit Dieselabgasschwaden ein. So hatten sich bei den Messungen des Luftreinhalteplans besonders hohe Werte für die Elbchaussee und Neumühlen ergeben.

„Die Fahrverbote sind ein wichtiges Zeichen, dass etwas getan wird, aber die Grundbelastung der Bevölkerung wird hoch bleiben, wenn nicht mehr passiert“, sagt Siegert, auch wenn irgendwann die Grenzwerte an den neuralgischen Punkten unterschritten würden.

So soll man drumherum fahren?:

Statt der Max-Brauer-Allee könnten Dieselfahrzeuge Königstraße und Holstenstraße nutzen. Für die aus der Stresemannstraße verbannten alten Diesellaster schlägt die Behörde gleich drei Routen Richtung Westen vor: Route 1 verläuft über Klosterwall, Steintorwall, Glockengießerwall, Lombardsrücke, Esplanade, Gorchfock-Wall Jungiusstraße und St- Petersburger Straße. Route 2 führt über Glacischaussee, Holstenglacis und St-Petersbruger Straße. Route 3 umfasst den Neuen Kamp, Feldstraße, Holstenglacis und Karolinenstraße. Gemeinsam ist allen drei Ausweichrouten die Strecke Rentzelstraße, Schröderstiftstraße, Schäferkampsallee, Fruchtallee, Doormannsweg, Alsenplatz, Augustenburger Straße
Richtung Osten soll es zwei Ausweichrouten geben: Route 1 verläuft über Bornkampsweg, Holstenkamp, Eimsbütteler Marktplatz und Fruchtallee, Route 2 über Kaltenkircher Straße, Augustenburger Straße und Doormannsweg. Gemeinsamer Verlauf der beiden Routen: Fruchtallee, Schäferkampsallee, Schröderstiftstraße, Rentzelstraße, Karolinenstraße, Holstenglacis, Sievekingplatz.
Ob sich Auto- und Lastwagenfahrer daran halten, scheint allerdings fraglich. Die Schilder für die Ausweichrouten sind jedenfalls schon bestellt.

So soll die Luft sauber werden:

Das Fahrverbot ist ein Baustein aus einem ganzen Maßnahmenpaket des Hamburger Luftreinhalteplans, den die Stadt auf Druck der EU im Juni 2017 vorstellte, weil an einzelnen Messpunkten immer wieder die Stickstoff-Dioxid-Grenzwerte (NO2) überschritten werden. Umweltsenator Jens Kerstan kündigte damals an, U-und S-Bahnen auszubauen, die Elektromobilität zu fördern, abgasfreie Busse anzuschaffen und die Fuß- und Radwege zu verbessern.

Für Diesel heißt es an der Max-Brauer-Allee demnächst: Durchfahren verboten

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