Werden derzeit gedruckt: So werden die Hamburger Fahrverbotsschilder aussehen. Foto: BUE

Gaby Pöpleu, Harburg.

In Hamburg wird es Fahrverbote geben, verkündete Umweltsenator Jens Kerstan nach der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig, dass Städte dies grundsätzlich tun dürfen. Ab April gibt es Durchfahrtverbote für alte Diesel bei zwei Straßen im Hamburger Westen, der Max-Brauer-Allee und der Stresemannstraße. Das Ziel: Die EU-Grenzwerte für Stickstoffdioxid NO2 sollen eingehalten werden. Ist die Luft im Hamburger Süden gut genug, so dass hier keine Einschränkungen nötig sind?
„Ganz und gar nicht“ sagt Marcus Pietsch von der Bürger-initiative „Verkehrssicherheit Heimfeld“, der sich seit Jahren mit der Luftreinheit im Hamburger Süden befasst. „Absoluter Hot Spot in Harburg ist die Winsener Straße, hier ist die Stickoxidkonzentration sogar höher als an den Messstationen Max-Brauer-Allee und Habichtstraße.“ 55,2 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft werden regelmäßig erreicht, in der Max-Brauer-Alle sind es nur 52 µg.
Es geht nur darum, die
Grenzwerte einzuhalten
Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub ADFC hat mit offiziellen von der Stadt erhobenen Daten eine Karte der NO2-Grenzwertüberschreitungen zusammengestellt. Deutliches Ergebnis: Auch in der Moorstraße, in der Wilstorfer Straße, am Harburger Ring, in Abschnitten der Buxtehuder und der Stader Straße ist mehr NO2 in der Luft, als die EU erlaubt.

„Im Grunde sind die sogenannten Fahrverbote ja nichts anderes als Messstationumfahrgebote. Es geht nicht darum, die Menschen zu schützen, sondern nur darum, an zwei verkehrsnahen Messstionen die EU-Grenzwerte einzuhalten, damit es diesbezüglich keinen Ärger gibt“, erklärt Pietsch.Tatsächlich gibt es keine offizielle „verkehrsnahe Messstation“ im Hamburger Süden. Ein Antrag der Neuen Liberalen in der Bezirksversammlung, eine solche in der Winsener Straße aufzustellen, wurde im November 2017 von der Umweltbehörde abgeschmettert. Begründung: Es gebe keine Grund dafür, da die vier vorhandenen repräsentativ für alle Straßen seien. Kosten von mehr als 150.000 Euro seien aus fachlicher Sicht nicht zu rechtfertigen.
In Hamburg ist die Lage durch den Hafen besonders, sagt Malte Siegert vom Naturschutzbund. Er betont, „dass Schiffe für 39 Prozent der Stickoxidemissionen in Hamburg verantwortlich sind, der Kfz-Verkehr für 29 Prozent“. Denn große Schiffe nebeln Hafenrandgebiete regelmäßig mit Dieselschwaden ein. Das schägt sich in den NO2-Werten nieder – von der Elbchaussee bis in den Hamburger Süden: Besonders hohe NO2-Werte haben laut ADFC-Karte hafennahe Straßen wie Veddeler Damm, Rethedamm, Moorburger, Seehafen- und Neuländer Straße.

So wird gemessen
Zum Hamburger Luftmess-netz gehören insgesamt 15 feste Messkontainer. Sie haben unterschiedliche Funktionen.Nur an vier Stellen in Hamburg stehen Messtationen, die speziell die Luftbelas-tung durch den Verkehr ermitteln sollen: in der Kieler Straße, der Max-Brauer-Allee, der Stresemannstraße und der Habichtstraße.
Südlich der Elbe gibt es keine einzige.
Mit der Messtation Veddel, Am Zollhafen, soll dagegen die Belastung durch Autobahn und Industrie festgestellt werden, die in Wilhelmsburg im Rotenhäuser Damm dient dazu, mögliche Belastung „im weiteren Umfeld von Industrie und Hafen“ zu erfassen. Außerdem gibt es zwei Stationen, die Belastungen durch das Airbuswerk in Finkenwerder ermitteln. Wo es keine Messcontainer gibt, erfolgen Messungen mittels sogenannter „Passivsammler“.
In einem vereinfachten Messverfahren erfassen sie ergänzend Werte zur Luftbelastung.

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