Gaby Pöpleu, Wilhelmsburg
Ende April ist das Geld alle. Das hatte die passage gGmbH als Träger des Arbeitsprojekts „Tagwerk“ noch vor zwei Wochen angekündigt und Einsparungen der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (Basfi) verantwortlich gemacht. Dann werde es keine stundenweise bezahlten Aushilfsjobs in Wilhelmsburg mehr geben. Quasi in letzter Minute sprang der Bezirk Mitte ein: Er übernimmt die Finanzierung der Tagesjobs bis Jahresende. Was dann wird, weiß aber offenbar noch niemand.„Tagwerk“ heißt ein Beschäftigungsprogramm der Stadt Hamburg. Damit sollen Langzeitarbeitslosen mit vielen Problemen kurzfristig und unbürokratisch Tagesjobs verschafft werden (siehe Infotext). Durch die stundenweise Beschäftigung sollen sie sich etwas dazuverdienen können und wieder einen – zumindest teilweise – geregelten Tagesablauf bekommen. In Wilhelmsburg gibt es Tagwerk-Jobs beim Kinderbauernhof, bei der Wilhelmsburger Tafel oder im Laurens-Janssen-Haus, Kirchdorfer Damm 6.

Waren die Kürzungen schon lange bekannt?

„Wir als Träger haben schon gekürzt, wo man kürzen konnte“, klagte passage-Geschäftsführerin Gudrun Stefaniak, „Jetzt würde es an die Substanz gehen und unser Projekt existenziell treffen.“ Tatsächlich versteht Marcel Schweitzer, Sprecher der Sozialbehörde, die Aufregung nicht. „Das ist keine Überraschung für die Träger.“ Die Tagwerk-Finanzierung sei von Anfang an zeitlich begrenzt gewesen: Nachdem sich Anfang 2016 die Beschäftigungsbedingungen der Agentur für Arbeit geändert hatten, habe man den Langzeitarbeitslosen damit für eine Übergangszeit helfen wollen.
Andere Träger hätten sich rechtzeitig um andere Finanzierungsmöglichkeiten gekümmert und diese auch gefunden, zum Beispiel über das Bundesprogramm „Soziale Teilhabe“ oder über die „Förderung von Arbeitsverhältnissen.
Erst in letzter Minute hat man sich nun offenbar doch zusammengerauft. Gudrun Stefaniak teilte mit: „Bis Ende 2018 sind die Jobs gesichert.“ Die Basfi habe die Einsparungen gesenkt, passage habe doch noch etwas kürzen können, für den Rest käme der Bezirk Mitte auf. Ob und wie die Finanzierung im Jahr 2019 weitergeht, ist aber trotzdem noch nicht geklärt.

So funktioniert das „Tagwerk“

Die Tagwerk-Jobs sind für Langzeitarbeitslose gedacht, die ohne Hilfe kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt hätten, weill sie einen normal geregelten Arbeitstag nicht durchstehen würden. Das kann an einer psychischen Krankheit, Drogen- oder Alkoholsucht oder an großen sozialen Problemen liegen. Die „Tagwerker“ bekommen in der Regel Arbeitslosengeld II oder Grundsicherung. Beim „Tagwerk“-Projekt können sie 1,40 Euro pro Stunde verdienen. Dafür arbeiten sie beim Kinderbauernhof in der Tierpflege, putzen und waschen oder machen Schreibarbeiten beim Laurens-Janssen-Haus, helfen bei der Wilhelmsburger Tafel beim Be- und Entladen der Lieferwagen oder geben Lebensmittel aus.

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