Bedrohtes Hinterhof-Idyll: einige Bewohner von Bartels- und Rosenhofstraße beim Fototermin

Ch. v. Savigny, Sternschanze
Ganz oben in den Zweigen zwitschern Zaunkönig, Heckenbraunelle und Mönchsgrasmücke. Eichhörnchen turnen durchs Geäst. Im Sommer spielen hier Kinder, ab und zu wird gegrillt. Zwischen den riesigen, bis zu 30 Meter hohen Bäumen fühlt man sich als Mensch ganz klein – und irgendwie auch geborgen. Die Anwohner des Wohnblocks zwischen Bartels- und Rosenhofstraße schätzen ihren Hinterhof als Refugium vor dem allgegenwärtigen Zivilisationslärm. „Dies ist der letzte grüne Innenhof, den das Schanzenviertel noch hat“, sagt Dirk Laube, Mitglied der Anwohner-Initiative „Innenhof-Biotop“.

Nun droht dem grünen Idyll das Aus: Denn ein Investor, die Hamburger Unternehmensgruppe Köhler & von Bargen, will das lauschige Hinterhofparadies mit Wohnungen bebauen. Dafür müssten rund 25 Bäume weichen – darunter viele Buchen und Birken, aber auch Rot- und Stieleichen. Laut Bezirksamt Altona könne die Erlaubnis für die erforderlichen Fällungen „in Aussicht gestellt werden“. Allerdings müsse sich der Bauherr um Ersatz bemühen. „Es ist sicherzustellen, dass der Innenhofbereich dieses Blocks auch nach der Baumaßnahme seinen Zweck einer begrünten Freifläche noch erfüllen kann“, so das Amt.

Sven Hielscher (CDU): „Annehmbarer Kompromiss“

Ob die Fläche auch dem Bau noch als Erholungsraum dienen kann, scheint im Moment allerdings mehr als fraglich: Denn der Neubau, dessen Höhe die Bezirkspolitik auf zweieinhalb Stockwerke begrenzt hat, nimmt laut Planung fast den gesamten Innenhof ein. Was die Anwohner besonders auf die Palme bringt: Gleich nebenan, in der Bartelsstraße 65, realisiert der Träger ein weiteres, in diesem Fall sogar sechseinhalb Stockwerke hohes Wohnprojekt. Dafür muss jedoch zunächst eine Kita abgerissen werden. Der Verdacht der Bewohner: Der Investor hat den Innenhof quasi „als Dreingabe“ bekommen, damit er einen neuen Kindergarten errichtet. „Ich verstehe nicht, dass man das letzte Stückchen Erde auch noch zubauen muss“, sagt Dirk Laube.
Aktuell haben die Betroffenen etwas Aufschub bekommen: Denn zunächst will die Umweltbehörde ein Artenschutzgutachten erstellen lassen. Das passiert frühestens während der Brutsaison – also im Frühjahr. Sven Hielscher (CDU), Chef des Bauausschusses Altona: „Mit den zweieinhalb Stockwerken ist insgesamt ein annehmbarer Kompromiss gefunden worden. Damit kann man gut leben“, so der CDU-Politiker.

Die Kita „Kinderstube AQltona“ in der Bartelsstraße 65 gibt es nicht mehr. Zuletzt war dort die Kunstgalerie „OZM“ („onezeromore.com“) zuhause.

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