Familie Majdeldien aus Syrien sucht eine neue Wohnung

SABINE LANGNER, NEUENFELDE
Die Wohnung ist groß, hell und sie liegt ziemlich zentral mitten im Ortskern. Doch für Familie Majdeldien hat sie einen gravierenden Haken: Sie liegt direkt in der Einflugschneise für die Airbus-Maschinen mit Ziel Finkenwerder. Was auch viele Anwohner in Neuenfelde nervt, ist für die zehnjährige Shilan mehr als ein Alptraum. Sie hat in ihrer syrischen Heimat mit angesehen, wie aus Flugzeugen heraus Menschen erschossen wurden. Seitdem wirft sich das Mädchen schreiend auf den Boden, wenn ein Flugzeug tief über sie hinwegfliegt.

Eine Odyssee bis nach Deutschland

Auf ihrer Flucht konnte die Familie nur einen kleinen Rucksack mit Kleidung mitnehmen. Ehefrau Dunia nahm den damals dreijährigen Hozan auf die Schultern, Shilan konnte schon laufen. Zu Fuß hat sich die Familie auf den Weg nach Europa gemacht. „Wir sind Kurden“, erklärt Vater Samir (36), der in Syrien als selbstständiger Schneider gearbeitet hat. „Die Schikanen des Regimes gegenüber Kurden wurden immer schlimmer. Schließlich haben wir uns zur Flucht entschlossen.“
Die Familie erlebte eine Odyssee von Damaskus über den Irak in die Türkei. Von Istanbul ging es schließlich nach Bulgarien. Dort wurde die ganze Familie für vier Monate in ein Lager gesperrt, bis es Vater Samir gelang, mit dem letzten ersparten Geld ein Taxi nach Hannover zu bezahlen. Vorläufige Endstation dieser langen Flucht ist Neuenfelde.
Inzwischen gehen Shilan und ihr kleiner Bruder Hozan in Neuenfelde zur Schule. Schwester Viyan kam vor drei Jahren in Deutschland zur Welt. Vater Samir arbeitet als Küchenhilfe in einem Harburger Hotel, und eigentlich wäre jetzt alles gut, wenn nicht die Flugzeuge wären. „Es gibt ein Gutachten von der Schule, das die Traumatisierung von Shilan bestätigt,“ erläutert Annedore Albrecht, die zusammen mit anderen Gemeindemitgliedern aus der St. Pankratius-Gemeinde die syrische Familie unter ihre Fittiche genommen hat.
Neben Deutschunterricht und Hilfe bei Behördengängen hat die Gruppe auch versucht, der Familie bei der Suche nach einer Wohnung zu helfen. „Trotz eines Dringlichkeitsscheins ist die Suche auf dem Hamburger Wohnungsmarkt aussichtslos“, sagt Helfer Günter Riehl. „Laut Job-Center darf die Wohnung maximal 97 Quadratmeter groß sein und kalt 987,46 Euro kosten“, so Annedore Albrecht weiter. Wer eine Wohnung ohne Flugzeuglärm weiß, kann sich per Email an annedorealbrecht1@web.de melden.

Hier gibt’s Hilfe
Kriege zwingen Millionen Menschen, darunter viele Kinder, zur Flucht aus ihrer Heimat. Viele haben zu Hause und auf der Flucht schreckliche Dinge erlebt, die sie seelisch nicht verkraften konnten. Um den Kindern zu helfen, diese Traumata zu verarbeiten, bietet das Universitätsklinikum Eppendorf eine kostenlose Traumaambulanz unter Tel. 741 05 32 10, an. Das Kinderschutzzentrum am Eißendorfer Pferdeweg 40a behandelt kostenlos traumatisierte Kinder (Tel. 790 10 40).

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