Jens Brauer

Sabine Langner, Harburg
Jens Brauer ist ein Sammler, wie er im Buche steht. Schon als kleiner Junge turnte er in seinem Heimatort Uelzen auf Schrottplätzen herum, um dort im Müll verlorene Schätze zu finden. Allerdings ging es ihm damals weniger um materielle Werte, sondern um die spannenden Geschichten, die sich hinter den weggeworfenen Dingen verbargen. So gesehen macht der 49-Jährige heute nichts anderes. Als neuer Chef der Abteilung Stadtgeschichte des Archäologischen Museums Hamburg (Helms-Museum) sammelt er immer noch alte Schätze – und die Geschichten, die dazu gehören.„Es sind und waren doch zu allen Zeiten Menschen, die eine Gesellschaft ausmachen“, begeistert sich der studierte Historiker für das Thema. „Und diese Menschen haben auch immer eine Geschichte, auch wenn sie nicht aufgrund großer Leistungen berühmt geworden sind.“
Die Geschichten zu finden, ist sein großes Ziel für den neuen Job. „Einfach ein paar alte, verstaubte Sachen hinstellen, kann jeder. Aber Geschichte so präsentieren, dass die Menschen stehen bleiben und denken ‘Das ist ja interessant’, das will ich“, erklärt er selbstbewusst. Dabei darf es auch sehr gern lustig zugehen.
Erfahrungen darin, Geschichte und Geschichten spannend zu präsentieren, hat Jens Brauer reichlich gesammelt. Nach dem Studium in Köln hat er erstmal sieben Jahre lang in Sachsen-
Anhalt beim Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie gearbeitet, Ausgrabungen geleitet und Ausstellungen konzipiert. Ein paar Jahre als selbstständiger Ausstellungsmacher unter anderem in Halle folgten, bis er jetzt in Harburg gelandet ist.
Jens Brauer wohnt in Winterhude, „aber nicht in dem schicken Latte-Macciato-Teil.“ Er ist aber völlig hingerissen von seiner neuen Wirkungsstätte. „Im Harburger Schloss gibt es den ältesten begehbaren Raum Hamburgs. Ist das nicht toll?“ Und der Binnenhafen und der Alte Friedhof seien überhaupt grandios. Als erste Amtshandlung will er den Geschichtslehrpfad mit 23 interessanten Stationen in Harburg wieder neu beleben. „Dazu wird es ein kleines Buch mit einem Plan geben, anhand dessen Spaziergänger Harburg ganz neu entdecken können“, berichtet Jens Brauer.
In seiner Freizeit turnt der blonde Mann übrigens immer noch auf Schrottplätzen herum, allerdings öfter auf virtuellen. Er sammelt alte Fahrräder. Sein Schatz ist ein Modell aus dem Jahr 1935, das er sich aus Einzelteilen selber zusammengeschraubt hat.

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