Maria Meier-Hjertqvist vor einem von lokalen Künstlern geschaffenen Bild im Bürgerhaus am Osdorfer Born.

Von Volker Stahl. „Ich lebe gerne hier. Es ist sehr ruhig, wir haben wenig Verkehr und viel Grün“, sagt Maria Meier-Hjertqvist. Doch wer denkt, die 69-Jährige wohne in Blankenese oder Rissen, der irrt. Die in ihrem Viertel stark Engagierte nennt seit 1978 den bis heute als Problemkiez verschrienen Osdorfer Born ihre Heimat. „Der Stadtteil ist viel besser als sein Ruf“, betont Meier-Hjertqvist, die „am Born“ besonders die angrenzende Feldmark, die vielen Betätigungsmöglichkeiten, das Schwätzchen auf der Straße und das gute nachbarliche Miteinander schätzt. „Hier kennt jeder jeden, es ist wie auf dem Dorf.“
Dass die vor 50 Jahren erbaute Hochhaussiedlung mit der auf den ersten Blick unwirtlichen Architektur nie so weit abgerutscht ist, wie es Sensationsberichte der Hamburger Boulevardmedien bisweilen kolportierten, ist Menschen wie Maria Meier-Hjert-qvist zu verdanken. Seit ihrem Zuzug aus Eimsbüttel („Nur am Anfang habe ich den Trubel, der dort herrscht, vermisst“) setzt sie sich vor Ort ein. Zunächst in der Elternvertretung, als ihre heute 36 und 39 Jahre alten Söhne zur Schule gingen. Später in kirchlichen Einrichtungen und seit bald 20 Jahren in der Borner Runde.

„Die Borner neigen nicht zu lautem Widerstand“

Die im Jahr 2000 von Privatleuten, Vereinen und Institutionen gegründete Einrichtung ist das Sprachrohr der Menschen im Viertel. „Uns war es wichtig, dass die Bürger unabhängig entscheiden und mit einer Stimme reden“, sagt die Aktivistin, „deshalb haben Parteienvertreter zwar Rede-, aber kein Stimmrecht.“ Die gelernte Verwaltungsbeamtin ist von Beginn federführend in der Runde, zu der von Erwerbslosen bis zu Ingenieuren alle Bevölkerungsgruppen gehören.
Und sie muss oft ihre Stimme erheben. So setzte sie sich gegen ungerechtfertigte Negativ-Schlagzeilen wie zuletzt in der „Morgenpost“ zur Wehr, bemühte sich um die Integration von Spätaussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion, schob die Umgestaltung des Platzes am Born Center mit an, wetterte gegen Lärm und Flächenfraß. Ihre größten Erfolge für die rund 10.500 Bewohner: die Unterschutzstellung der an den Born grenzenden Feldmark und das 2013 eröffnete Bürgerhaus: „Darum haben wir zehn Jahre lang gekämpft.“
Ein heikles Thema ist die von Beginn an schlechte Verkehrsanbindung des Osdorfer Borns an die Stadt. Spricht man die Aktivistin auf das Wahlversprechen der SPD aus dem Jahr 1974 an (U-Bahn-Anbindung: „In zwei Jahren geht es los“), verzieht sie das Gesicht: „Die Borner neigen nicht dazu, laut Widerstand zu leisten.“ Deshalb dächte die Politik wohl: „Mit denen kann man es ja machen“ Eine bessere Busanbindung wäre ein erster Schritt, meint die Aktivistin. Ihr Kampf geht weiter.

Ehrung
Seit 2001 setzt sie sich für den Stadtteil, sie war jahrelang Sprecherin der Borner Runde. Am 8. März 2017, dem Internationalen Frauentag, wurde ihr von den Frauen des Stadtteils die ersten Ehrenbürgerschaft des Osdorfer Borns verliehen. „Das hat mich sehr gefreut. Auch wenn es streng genommen inoffiziell ist, da nur der Senat Ehrenbürger ernennen kann. Die Ehrung hat gezeigt, wie gut die Frauen im Born zusammenhalten und wie wichtig dieser Tag für viele von ihnen ist“, sagt Meier-Hjertqvist. EW

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