Als sportbetonte Schule gibt’s an der STS Lurup viele Bewegungsangebote. Was da gemacht wird

Von Matthias Greulich. Wenn die Ausmaße einer Baustelle beschrieben werden, heißt es gerne, sie sei so groß wie ein Fußballplatz. Bei der zukünftigen Stadtteilschule Lurup stellt man sich zusätzlich besser gleich ein ganzes Stadion vor, wird sie doch auf der ehemaligen Spielstätte des SV Lurup gebaut.
Neben der imposanten Baugrube an der Flurstraße legten die Beteiligten am vergangenen Donnerstag den Grundstein für den spektakulären Schulbau, der mit der „Community School“ außerdem einen Anlaufpunkt für Beratungs- und Bildungsangebote enthalten wird (das Elbe Wochenblatt berichtete).
Bislang findet an der STS Lurup an drei Standorten Unterricht statt: Vorhornweg (Klasse fünf bis sehs), Veermoor (sieben bis neun) und Luruper Hauptstraße (zehn bis 13).
Als 2011 die Idee aufkam, die Schule per Neubau auf dem Sportplatz zu erweitern, „sagten in meiner Behörde alle nur ,lass’ es!’ zu mir“, erinnert sich Schulsenator Ties Rabe. Das Zusammenwirken verschiedener Behörden sei selten von Leichtigkeit geprägt, „die zuständige Arbeitsgruppe größer als die für die Rettung der HSH Nordbank“ gewesen.
Einige Mitglieder der STS Sambagruppe, die bei der Grundsteinlegung zur Begrüßung des Senators trommelten, waren gerade eben eingeschult worden, als der Architektenwettbewerb schließlich 2014 ausgeschrieben wurde. „Was lange währt…“, gewann Schulleiter Joachim Hinz der Verzögerung positive Gesichtspunkte ab, da so noch Mittel aus dem ab ab 2017 für Lurup laufendem Rahmenprogramm Integrierte Stadtteilentwicklung (RISE) in den rund 35 Millionen Euro teuren Bau fließen konnten.
Mit dem Zuschlag für das renommierte Architektenbüro Behnisch aus Stuttgart, „sei ein Entwurf ausgewählt worden, der hervorragend nach Lurup passt“, so Hinz (siehe auch das Interview mit dem Architekten Stefan Rappold) Einige Extras seien möglich gewesen, weil die Stiftung des dänischen Fensterherstellers Velux noch Geld dazugab.
„Der Begriff Stadtteilzentrum ist für den Bau untertrieben“, versuchte sich Ewald Rowohlt von Schulbau Hamburg erst gar nicht in hanseatischer Tiefstapelei. Angesichts von 400 Millionen Euro, die der Landesbetrieb in diesem Jahr hamburgweit verbaut, wollte man sich das große Ganze im Festzelt bei der Grundsteinlegung nicht von störenden Details schlechtmachen lassen. In Lurup waren solche Störgeräusche von den freundlich applaudieren Eltern nicht zu hören, vom Elternrat der STS im Vorfeld allerdings reichlich.
Die Elternvertreter hatten sich vergeblich gegen den Verkauf einer rund 3.000 Quadratmeter großen Teilfläche des Sportplatzes ausgesprochen, auf der vier Einfamilienhäuser entstehen sollen. In dieser Frage hatte es schließlich zwischen der rotgrünen Regierungskoalition im Altonaer Rathaus gekracht, weil die Grünen gemeinsam mit der Opposition in der Bezirksversammlung gegen den Verkauf gestimmt hatten.?

„Kein Palast, eher ein Organismus“
Interview mit Architekt Stefan Rappold (51)

Der schwäbische Akzent ist unüberhörbar, mit dem der Architekt des Neubaus der Stadtteilschule über seinen Entwurf spricht. Stefan Rappold ist Partner von Behnisch Architekten aus Stuttgart. „Das pädagische Konzept der Schule haben wir uns zu Beginn der Arbeit angeschaut. Es ist die Basis unserer Ideen, bei denen wir uns eine gewisse Freiheit erlaubt haben“, so der 51-Jährige.
Behnisch Architekten haben in Hamburg das „Haus im Haus“ in der Handelskammer und zwei Gebäude in der Hafencity entworfen: Den Marco Polo Tower und die neue Firmenzentrale von Unilever. Der 2010 verstorbene Bürogründer Günter Behnisch ist der Architekt des Münchner Olympiastadions.

Herr Rappold, haben Sie schon von Architekten gehört, die eine Community School bauen können?
Stefan Rappold: Nein, noch nicht. Ich finde die Idee, die Schule nachmittags nicht abzuschließen, sagenhaft.

Das Ziel Ihres Entwurfes ist, dass sich die Schule gut in die Umgebung einfügt. Wie wollen Sie das erreichen?

Schauen Sie sich doch mal um: Hier haben wir Wohnungsbau mit Einzel- und Reihenhäusern, da passt kein Palast hinein. Wir wollen das Gebäuda daher langsam hoch terrassieren. Am Eingang haben wir ein Geschoss, weiter im Inneren werden es maximal drei.

Wenn das Gebäude kein Palast ist, wie würden Sie es beschreiben?

Es ist eher ein Organismus, der sich im Inneren verzahnt.

Haben Sie die Wünsche der Schule berücksichtigt?
Wir haben uns eng mit Herrn Hinz abgestimmt, haben einen guten Kontakt. Man kann keine Schule ohne den Schulleiter bauen.

Wie würden Sie die Schule in wenigen Worten beschreiben?

Die Grundidee von Leichtigkeit und Offenheit, welche die Zusammenarbeit zwischen Schülern und Lehrern positiv beeinflussen kann, soll zukünftig den Charakter der neuen Schule kennzeichnen. Spielerische Aspekte wie lichtdurchflutete Marktplätze und belebte Orte im Haus werden zudem das übergeordnete Leitbild prägen.
Ein fließendes Raumgefüge in allen Etagen ermöglicht eine gute Orientierung im Haus und verbindet über schöne Freitreppen alle Geschossen miteinander. Die neue Schule soll als ein kommunikativer und lebendiger Organismus verstanden werden und den Rahmen für eine inhaltlich spannende Pädagogik bilden. Das neue und doch sehr große Haus wird dabei nicht abweisend und fremd wirken, sondern sich vielmehr durch eine ausgewogene Höhenstaffelung harmonisch in die Nachbarschaft einfügen.

Einst spielten hier die Fußballer des SV Lurup, jetzt ist auf dem ehemaligen Jonny-Arfert-Platz Lurups tiefste Baugrube zu bestaunen. Foto: mg

Schulsenator Ties Rabe (SPD) an der Mauererkelle, links neben ihm Schulleiter Joachim Hinz. Foto: mg

Architekt Stefan Rappold. Foto: mg

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