Auf zahlreichen Veranstaltungen werben engagierte Bürger für den Erhalt von 21 katholischen Schulen unter dem Dach einer Genossenschaft. Foto: pr

Olaf Zimmermann, HAMBURG-SÜD.

Hoffnungsschimmer für die von der Schließung bedrohten katholischen Schulen im Bezirk Harburg: Eine private Initiative, zu der unter anderem der Jurist Christian Bernzen (Landesschatzmeister der SPD) und Ex-Staatsrat Nikolaus Hill (CDU) gehören, möchte eine „Hamburger Schulgenossenschaft“ gründen. Diese Genossenschaft plant sämtliche 21 katholischen Schulen in der Hansestadt zu übernehmen. Gespräche mit dem Erzbistum sind vereinbart.
„Alle katholischen Schulen in Hamburg sind zukunftswürdig und zukunftsfähig. Daher wollen wir den Versuch wagen, unser Katholisches Schulsystem in einer neuen Struktur und Trägerschaft zu denken. Wir wollen gemeinsam Verantwortung übernehmen: offen, demokratisch und genossenschaftlich. Unsere Ansätze und Ideen verstehen wir als ein Angebot an Schülerinnen und Schüler, an Eltern, an die Kirche und die Stadt“, erklärte Christian Bernzen.
Ziel der Initiatoren ist es, in möglichst kurzer Zeit 10.000 Genossenschaftsmitglieder zu finden. Ein Genossenschaftsanteil für Erwachsene soll 1.000 Euro kosten, für Kinder und Jugendliche nur 200 Euro. Interessenten können sich auf www.hamburger-schulgenossenschaft.de registrieren. Wichtig: Eine sofortige Zahlung der Genossenschaftsanteile ist nicht erforderlich, sondern erst bei Erfolg des Projekts.
Der Vorstand der Gemeinde St. Maria/St. Joseph hat bereits beschlossen, 200 Genossenschaftsanteile zu erwerben. Die erhofften zehn Millionen Euro, die 10.000 „Schulgenossen“ in die Kasse bringen sollen, können den Betrieb in einer Übergangszeit sichern. Die Genossenschaftsanteile sind nicht für eine Sanierung der finanziellen Probleme gedacht.
Über die hohen Pensions-
lasten und eventuelle Gebäudesanierungen muss mit dem Erzbistum eine Übereinkunft getroffen werden.
„Die weitere Ausgestaltung der Genossenschaft erfordert eine konstruktive Mitgestaltung des Erzbistums. Wir sehen darin eine Chance, Vertrauen und verloren gegangene Identifikation der Gläubigen in die Bistumsleitung wieder aufzubauen“, heißt es in einem Brief des Pfarrgemeinderats und Kirchenvorstands St. Maria/St. Joseph an Erzbischof Heße.

Die weitere Ausgestaltung der Genossenschaft erfordert
eine konstruktive Mitgestaltung des Erzbistums

Pfarrgemeinderat
St. Maria/St. Joseph

Erzbistum Hamburg

Das Erzbistum Hamburg ist mit 32.400 Quadratkilometern das flächenmäßig größte Bistum in Deutschland. Es umfasst die Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein sowie den Landesteil Meck-lenburg des Bundeslands Mecklenburg-Vorpommern. Im Erzbistum leben rund 400.000 Katholiken, davon etwa 187.000 in Hamburg.Angesichts der dramatischen finanziellen Lage hat das Erzbistum die Schließung von acht der 21 katholischen Schulen in Hamburg angekündigt. Auch die Bernostiftung, Träger der katholischen Schulen in Schleswig-Holsten und Mecklenburg, wird auf den Prüfstand gestellt. In anderen Bereichen wie Kitas, Kirchen, Gemeindehäusern, Krankenhäusern drohen ebenfalls massive Einschnitte. Ein Gesamtkonzept liegt bislang nicht vor.
Zur Finanzkrise des Bistums Hamburg sagte Daniel
Deckers (F.A.Z.) im Deutschlandfunk: „Die Mitglieder des Verwaltungsrates, des Schulverbandes weisen seit vielen Jahren darauf hin, auf der Basis von Prüfungsberichten, von Wirtschaftsprüfungsunternehmen wie Deloitte, dass dieser Schulverband in die Insolvenz geraten würde, wenn irgendwann die Pensionsverpflichtungen bilanziell richtig gerechnet würden.
Diese Gutachten werden von der Bistumsspitze Jahr für Jahr abgezeichnet und verschwinden dann in Schubladen. Diese Form des Nichthandelns, des Wegsehens, des die Augen-Zumachens erinnert mich an die drei Affen: Nichts hören, nichts sagen und nichts sehen. Und hinterher kommt dann jemand wie Erzbischof Heße, ein neuer Mann von Köln nach Hamburg und ihm werden langsam die Augen geöffnet.“

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