Omar

Jenifer Calvi, Eimsbüttel
Jeden Montag ab 18.30 Uhr treffen sich im Haus der Jugend am Sportplatzring in Stellingen Einheimische, Flüchtlinge und Migranten: ganz locker, ganz entspannt – zum Billard-, Tischtennis-, oder Basketball spielen. Aber es werden auch Brettspiele aufgebaut, manchmal wird Kuchen mitgebracht, es gibt Musik, es wird geplaudert. Jeder kann kommen, unangemeldet, einfach so. 
Wer als Migrant oder Flüchtling noch an seinen Deutschkenntnissen feilt, kann an dem Deutschangebot teilnehmen, das Katharina Kniesche-Schubert dort auf die Beine stellt. Ein Blick ins Klassenzimmer: Sechs Jugendliche sitzen dort, zwei gerade erst vor zweieinhalb Monaten aus Eritrea angekommen. Noch trauen sie sich nicht, in der Gruppe viel deutsch zu sprechen – aber die Atmosphäre ist freundlich und so tauen sie doch immer mehr auf. Kawa (31) und Omar (35), beide aus Syrien, und auch Somaya (34) aus Tunesien nehmen jeden Besucher, der die Tür zum „Come together-Abend“ öffnet, mit einem gewinnenden Lächeln in Empfang. Somayas Mann ist heute zu Hause geblieben, er passt auf die kleine Tochter auf. „Ich bin hier, weil mir der Verein sehr geholfen hat, mich in Lokstedt einzuleben“, sagt die Produktdesignerin. „Jetzt möchte ich dem Verein helfen, Flüchtlinge und Migranten mit Einheimischen zusammenbringen – und natürlich möchte ich Deutsch üben.“
Die Menschen als Menschen zu sehen
Noch sind die Deutschen hier – zumindest an diesem Abend – in der Unterzahl. Eine Familie aus München ist da und hat sogleich Kontakt zu einer Migrantenfamilie aufgebaut. „Wir würden uns sehr wünschen, dass noch mehr Lokstedter, oder Leute aus der Umgebung an unserem offenen Abend teilnehmen“, sagt Anne Thaker vom Verein „Herzliches Lokstedt“. Dabei geht es ihr nicht in erster Linie darum, Flüchtlingen und Migranten einen „bunten Abend“ zu bescheren. „Glauben Sie mir, von fröhlichen Festen haben die meisten genug. Es geht darum, langfristig ernsthafte Probleme anzupacken und die Menschen hier als Menschen zu sehen, die in einer Krise stecken und darum unsere Unterstützung gut gebrauchen können“, sagt sie.
Herzlich handeln, aber nicht naiv – so lautet das Vereins-Motto. „Es ergibt beispielsweise keinen Sinn, so zu tun, als ob man in Deutschland alles geschenkt bekomme oder so zu tun, als ob wir hier im Überfluss lebten und jeder ein Auto und ein Haus habe“, sagt Anne Thaker, „wir müssen zeigen, dass auch wir uns anstrengen müssen und dies von jedem einfordern.“

Info
Der Verein Herzliches Lokstedt freut sich auf Menschen, die mitmachen oder einfach mit dabei sind. E-Mails mit Rückmeldungen, Anfragen, Interesse am Engagement an info@
herzlicheslokstedt.hamburg

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