Im Internet warb Kaufland mit winkendem Lieferwagenfahrer für seinen Berliner Lieferdienst. Der Dienst wird jetzt eingestellt und auch in Hamburg wird nichts draus. Grafik: Kaufland/ You Tube

Gaby Pöpleu, Eidelstedt
Mitarbeiter waren schon eingestellt, Lieferwagen angeschafft, Regale für das neue Lager geliefert. Schon seit dem Herbst sollten am Hörgensweg 8 Kaufland-Lebensmittel eingetütet und an Kunden in ganz Hamburg geschickt werden. Erst wurde der Start verschoben, nun das Aus: Kaufland lässt seinen Lieferservice in Hamburg nicht an den Start gehen. Was wird nun aus dem nagelneuen Lieferzentrum am Hörgensweg?Nachdem im April 2016 die Flüchtlinge ausgezogen waren, hatte Kaufland die leerstehende Halle des insolventen Praktiker-Baumarktes übernommen. Mehrere Millionen Euro soll der Um- und Anbau am Hörgensweg gekostet haben, genaueres ist nicht zu erfahren. Fest steht: Von hier aus werden keine Kaufland-Kühllieferwagen starten, um den Hamburgern Lebensmittel bis an die Haustür zu liefern.
Für viele Hamburger bedeutet das Lieferdienst-Aus, dass sie einen gerade erlangten Job wieder loswerden: Im Oktober wurden die Mitarbeiter informiert, man bot ihnen andere Jobs im Unternehmen oder suchte „sozialverträgliche Lösungen“, sagt Kaufland-Sprecherin Anna Münzing.
Lebensmittellieferung
rechnet sich nicht
Der Lieferdienst rechnet sich nicht, hatte Kaufland feststellen müssen: „Mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit sehen wir, dass sich ein Lieferservice im Lebensmittelbereich auf Sicht nicht kostendeckend betreiben lässt“, sagt der Vorstandsvorsitzende Patrick Kaudewitz. Zumindest nicht, wenn die Produkt- und Lieferkosten für den Kunden niedrig bleiben sollen. Zu dieser Erkenntnis gelangte man mit einem Pilotprojekt, das seit Herbst 2016 in Berlin lief. Auch dort war jetzt Schluss: Statt der für Herbst geplanten Erweiterung wurde der Lieferdienst zum 23. Dezember eingestellt.
Verglichen mit dem Liefer-Konkurrenten „Amazon Fresh“ (69 Euro jährlich für eine Prime-Mitgliedschaft plus 9,99 Euro monatlich für den Lieferservice), der im Herbst an den Start ging, erschien Kaufland tatsächlich günstig: Lebensmittelpreise wie im Laden, die ersten drei Lieferungen kostenlos, danach zwischen 2,75 und 4,75 Euro pro Lieferung. Und das, obwohl Lebensmittellieferungen schon wegen der erforderlichen Kühlung aufwändig sind.
Was nun mit der runderneuerten und ausgebauten Halle geschehen soll, ist unklar. Kaufland will nichts dazu sagen. Eine Anwohnerin (Name der Redaktion bekannt) macht sich Sorgen, dass auf dem ehemaligen Praktiker-Parkplatz durch die Nähe zur Autobahnzufahrt Eidelstedt eine illegale Raststätte entstehen könnte. „Hier Parken jetzt schon viele LKW-Fahrer, es liegt viel Müll herum.“ Auch die Sicherheit sei gefährdet, wenn Kaufland die Halle aufgebe. Sie hofft auf eine stationäre Kaufland-Filiale vor der Haustür. „Das wäre praktisch für die Nachbarschaft.“

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