Die Familie Singh (v.l: Gurpreet

Tilman Schuppius, Eimsbüttel
Zugegeben, so wirklich hip ist der Kegelsport nicht, zumindest nicht so angesagt wie Freeclimbing, Dart oder Stand-Up-Paddling. Aber Kegeln kann sehr viel Spaß machenen, zumal der Sport zusammen mit den richtigen Leuten einen hohen Unterhaltungswert bietet. Wir, das ist der „Pudelclub-Ottensen“, sehen das jedenfalls so, nach einigen Fehlversuchen auf anderen Kegelbahnen hatten wir im „Klinker“ endlich den passenden Ort gefunden um auf „alle Neune zu gehen“. Man kann von dunklen Holzvertäfelungen halten was man will, aber hier passte es, selbst die olivgrünen Waschbecken in jedem großzügig bemessenen Keglerraum und der eher biedere Stadtteil Hoheluft-West konnten uns nicht abschrecken.

Seit über zehn Jahren testeten wir hier monatlich unser Geschick, wir guckten, auf welcher Bahn die Kugel besonders gut läuft und freuten uns auf das deutsche Essen vom indischen Gastwirt und gelernten Koch, Dhanrag Singh. „Ich nehm’ heute die Bratkartoffeln mit Sauerfleisch, für mich Grünkohl, bitte einmal das Keglerschnitzel“. Eigentlich war immer klar wer was isst, unser Gastgeber wusste das meistens auch schon, und das Personal servierte die gewünschte Mahlzeit gastgenau an den Tisch zur gemieteten Kegelbahn. Hier unten, in den kultigen Kegel-Katakomben hatte alles seinen geregelten Ablauf: einkegeln, quatschen, Essen fassen und bevor die erste Runde losging, mussten ein paar Kegelbrüder erstmal vor die Tür, um frische Luft zu schnappen. Spätestens nach deren Rückkehr wurde es dann lustig, und es konnte losgehen.
„Ich hätte gerne weitergemacht, aber wir sind ein Familienbetrieb, meine Tochter fängt an zu studieren, mein Sohn ist berufstätig und die Doppelbelastung wollen wir ihm nicht mehr zumuten“, schildert Mister Singh die Lage mit Wehmut in der Stimme. „Ohne die Hilfe meiner Kinder können mein Frau und ich den Laden nicht weiterführen und Personal können wir uns nicht leisten.“

Geregelter Ablauf in den Kegel-Katakomben

Im „Klinker“ läuft es nämlich nur in den „dunklen Monaten“, also von Mitte Oktober bis März gut, und nur in der Vorweihnachtszeit ist jeder der vier Räume (mit zwei dazugehörigen Bahnen) durchgehend besetzt. Auch das darüber gelegenen Restaurant ist in diesen Wochen voll mit Weihnachtsfeiernden.
Diese Gäste kamen nicht nur wegen der tollen, bodenständigen Küche, nein, hier ist es gemütlich, der Laden scheint aus der Zeit gefallen zu sein, und gerade das machte das Gesamte so symphatisch. Könnte man das „Klinker“, so wie es ist und inklusive Betreibern, auf den Kiez oder in die Schanze katapultieren, würde kegeln mit Sicherheit hip werden, wahrscheinlich gäbe es keine existenziellen Probleme mehr, und der „Pudelclub Ottensen“ hätte weiterhin ein zu Hause.

Info
Seit 1929 gibt es das „Klinker“. Es hatte in der gesamten Zeit nur vier Betreiber.Die Familie Singh führte das Kegelbahn-Restaurant von 2001 bis heute.
So wie es zur Zeit aussieht wird es wohl keinen Nachfolger geben. Die Vermieter, die Siemers-Grundbesitz GmbH & Co.KG, will die
Kegelbahn schließen.

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