Im Geschäft: Gustav Opalka (zweiter von links) eröffnete 1935 den Salon

Sie weiß noch genau, wie das damals alles ausgesehen hat. Karin Erler steht am Eingang eines Modegeschäfts in der Osterstraße 120. Über Jahrzehnte war hier das Geschäft ihrer Familie: Friseur Opalka, ein Name in Eimsbüttel. „Hier im Fenster hing ein Spiegel, da haben sich die Herren immer die Krawatte gebunden“, erzählt die 80-Jährige.
Sie ist im Geschäft ihres Vaters aufgewachsen, 1935 eröffnete Gustav Opalka in der Osterstraße seinen „Damen – und Herren-Frisiersalon“. 1948 begann Karin Erler ihre Lehre, später übernahm sie den Salon. Ein Haarschnitt kostete damals 30 Pfennig. „Früher gab es kein Warmwasser in den Wohnungen, die kamen alle zu uns zum Haareschneiden und Waschen“, erzählt Erler. Es war die Zeit, als die Osterstraße noch überwiegend von Familienbetrieben geprägt war. Schlachterei Schrader, Kohlenhändler Kleinhans, Berufskleidung Holdorf, Konditorei Lehfeldt, viele Ärzte – „gute Ärzte“: Karin Erler erinnert sich an eine Menge Geschäfte, die heute nicht mehr existieren. Im Gebäude hinter dem Friseursalon war der Emelka-Palast, das damals größte Kino in Eimsbüttel. Gibt es auch schon lange nicht mehr.
Als junge Friseurin steigt Karin Erler in das Geschäft des Vaters ein. 1951 wurde sie sogar ein bisschen berühmt. Beim Bundeswettbewerb der Friseur-Innung schnitt sie als beste ab. Sie wurde zu Bundespräsident Theodor Heuss eingeladen und bekam vom Staatsoberhaupt eine Urkunde. Es müssen unbeschwerte Zeiten gewesen sein: Auf einem Foto steht die junge Karin Erler strahlend, selbstbewusst an der Registrierkasse. „Zu den besten Zeiten hatten wir 27 Angestellte. Wir sind immer Kollegen gewesen. Das war nicht so hierarchisch“, erzählt sie.
Vor 13 Jahren, als sie 67 war, hat Karin Erler den Salon aufgegeben. Es gab Mieterhöhungen, „und meine Finger wollten nicht mehr so“, sagt sie. Wo ehemals der Familienbetrieb Opalka war, sind heute Filialen großer Ketten. Ein Modeladen, ein Brillengeschäft. Karin Erler wohnt seit ein paar Jahren in der Nordheide. In Eimsbüttel gibt es aber noch einen Friseur aus der Familie: Die Enkelinnen haben ein Geschäft im Hellkamp, nur ein paar Blöcke entfernt vom alten Familienbetrieb.

Die junge Karin Erler an der Kasse des Friseursalons Opalka.

1951 wurde Karin Erler sogar ein bisschen berühmt: Sie wurde von Bundespräsident Theodor Heuss ausgezeichnet.

Unbeschwerte Zeiten: „Wir waren immer Kollegen, das war nicht so hierarchisch bei uns“, sagt Karin Erler.

Da gibts schon andere Frisuren: 50-Jahr-Feier an der Osterstraße.

Wo früher ihr Salon war, ist heute ein Modegeschäft: Karin Erler an der Osterstraße.

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