Mit dem vielen Verkehr vor ihrem Haus im Scheideholzweg können Nina und Katja Diering (v.l.) leben. Mit dem Lärm von Rasern aber nicht. „Hier hält sich kaum einer an Tempo 30“

Gerne würde Katja Diering bei gutem Wetter in ihrem schönen Garten im Scheideholzweg sitzen. Doch Entspannen sei hier nicht möglich, sagt die Hausbesitzerin. „Die Lautstärke hält doch niemand aus. Das geht an die Substanz“, klagt sie. Der Grund: Kaum ein Autofahrer halte sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung in der Tempo-30-Zone. „Gegen den vielen Verkehr sage ich nichts, schließlich leben wir in einer Großstadt“, so Diering. „Aber wenn alle 30 fahren würden, hätten wir kein Problem.“
Die 54-Jährige zog 2001 mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in den Scheideholzweg. Zuvor hatte die Familie in Neuwiedenthal gewohnt – ebenfalls in einer Tempo-30-Zone. „Da fuhren die Autos so langsam, dass wir sogar auf der Straße Federball spielen konnten“, erinnert sich Tochter Nina (21).
In den Jahren nach ihrem Umzug haben sich die Dierings immer wieder beim Bezirk und der Polizei über die Raser und den Lärm beschwert. „Aber niemand hat uns ernst genommen“, sagt Katja Diering. Irgendwann sei ihnen die Puste ausgegangen. Jetzt, wo im Wahlkampf Politiker um Wählerstimmen buhlen, wollen sie ihr Glück erneut versuchen. „Zwei Politiker haben sich zurück-
gemeldet und sind hergekommen“, berichtet Diering. Das sei ein erster Schritt, auch wenn sie sich nicht viel davon verspricht.
Die Neugrabenerin fordert Maßnahmen, die den Verkehr einschränken. Zwar gebe es in der Straße bereits einige begrünte Inseln, doch die reichten nicht. Denn auf einer längeren Strecke zwischen Bauernweide und Sandhafer hätten Raser weitgehend freie Fahrt. In diesem Abschnitt, in dem auch das Haus der Dierings steht, sind alle Hindernisse auf einer Seite. „Warum kann man nicht auch auf unserer Seite eine Verkehrsinsel bauen? Wir würden uns auch an den Kosten beteiligen!“, so Diering.
Im Bezirksamt Harburg hat man daran kein Interesse. „Die Straße ist durch Einengungen bereits verkehrsberuhigt. Weitere Maßnahmen sind in dem Bereich nicht erforderlich“, sagt Sprecherin Bettina Maak. Auch die Neugrabener Polizei sieht keinen Handlungsbedarf. „Der Scheideholzweg ist alles andere als eine Straße, in der man rasen kann“, sagt Rolf Zcernikow vom Polizeikommissariat 47. Hohe Geschwindigkeiten habe man in den vergangenen Jahren weder bei Messungen noch bei regelmäßigen Streifenfahrten feststellen können.

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