Tennis: 40. Nationale Deutsche Jüngsten-Tennisturnier 2016

von links: Joëlle Steur, Mia Mack, Ester Katerina Pataki
 
Halbfinalistinnen in Hiddesen. Hinten Joëlle Steur (li.), Katerina, vorn Mia Mack (li.) und Lilly Pauline Schultz (re.)
 
Große Siegerehrung in Lemgo

Beim 40. Nationalen Deutschen Jüngsten-Tennisturnier vom 27. - 31. Juli 2016 in Detmold, den inoffiziellen Deutschen Meisterschaften der Altersklassen U9 bis U12, erreichte Ester Katerina Pataki (11) vom SV Wilhelmsburg von 1888 e.V. einen hervorragenden dritten Platz in der Alterklass U12 und schaffte damit den erhofften Sprung auf das Siegerpodest.

Austragungsort des Turniers der Juniorinnen U12 war die sehr schöne Tennisanlage des TC Grün-Weiß Hiddesen e.V. Für die 16 gesetzten Spielerinnen begannen die Spiele am Freitag. Katerina, an Position drei gesetzt, traf in ihrem Erstrundenmatch auf die Hessin Carolin Mäder und stellte gleich klar, dass sie bei der Titelvergabe schon ein Wort mitreden wollte. In gerade einmal 45 Minuten bezwang sie mit einer soliden Leistung ihre Gegnerin mit 6:1, 6:0.
Im Achtelfinale allerdings sollte die Aufgabe schon deutlich schwieriger werden. Gegen Charlotta Buß vom T.u.B. Bocholt (NRW) startete Katerina furios und gewann den ersten Satz deutlich mit 6:1. Und dabei spielte Charlotta nicht einmal schlecht, aber der permanente Druck von Katerina war schon enorm. Besonders gut funktionierte der erste Aufschlag und viele Winner mit Vor- und Rückhand trugen zum Satzgewinn bei. Aber dann die andere Seite von Katerina. Was zuvor noch so gut gelang, ging auf einmal nur noch schief. Besonders ärgerlich waren die vielen Stoppbälle, die oft zu lang gerieten und für die flinke Gegnerin willkommene Einladungen zu einfachen Punktgewinnen waren. Ähnliches hatte Katerina vor zwei Jahren gegen die gleiche Gegnerin schon einmal versucht und auch da waren Punktverluste in Serie die Folge. Zudem nun Fehler ohne Not am laufenden Band, mit dem Resultat des Satzverlustes mit 1:6 in gerade einmal 20 Minuten. Im dritten Satz dann ist Katerina wieder am Drücker und liegt schnell mit 5:1 vorn. Aber Buß stemmt sich mit gutem Spiel gegen die drohende Niederlage und bei Katerina häufen sich wieder die Fehler. Plötzlich wird die Partie wieder offen und Charlotta kommt durch ein Break auf 5:4 heran. Aber Katerina ist zum Glück jetzt wieder hellwach und kann ihrerseits mit dem Re-Break zu Null das Match für sich entscheiden und den Einzug ins Viertelfinale feiern.
Dort traf sie dann auf ihre gute Freundin Theresa Sabine Charlotte Haas vom ESV München Sportpark. Die Bilanz der beiden gegeneinander zu diesem Zeitpunkt, 1:1. Das letzte Spiel hatte Theresa klar gewonnen und kam zudem mit der Empfehlung eines Sieges auf der Tennis Europe Junior Tour in Belgien nach Detmold. So lag die Favoritenrolle mehr auf der Seite der Münchnerin. Ähnlich wie in der Runde zuvor erwischte Katerina einen Traumstart, spielte wie aus einem Guß und ließ der gar nicht einmal so schlecht spielenden Theresa nicht den Hauch einer Chance. Immer wieder trafen die harten und präzisen Grundschläge das Ziel und führten zu ungewöhnlich vielen Winnern. Zudem spielte Katerina noch sehr variabel, streute mal einen Stopp ein und tauchte auch ein paar mal am Netz auf, um dort zu punkten. Nach 30 Minuten hatte Katerina den Satz hochverdient mit 6:0 gewonnen. Diesmal gelang ihr dann auch ein guter Start in den zweiten Satz. Obwohl jetzt mit ein paar Fehlern mehr, spielte sie weiterhin auf hohem Niveau und ging mit 3:1 in Führung. Im folgenden Aufschlagspiel von Theresa hätte dann eine Vorentscheidung fallen können, als Katerina drei Breakbälle nicht nutzen konnte und Haas auf 2:3 verkürzte. Allerdings spielte die jetzt auch deutlich stärker und das Match erreichte dadurch eine herausragende Qualität mit deutlich ansteigendem Spannungsgehalt. Theresa, inzwischen fast fehlerlos spielend, ging sogar mit 4:3 in Führung. Nach vielen tollen Ballwechseln mit hohem Tempo und vielen Gewinnschlägen auf beiden Seiten stand es dann zunächst 5:4 für Katerina, dann 6:5 für Theresa und schließlich mußte der Tiebreak über den zweiten Satz entscheiden. Und der bot Drama pur.
Bis zum 3:4 lag Katerina ständig zurück, konnte dann aber drei Punkte in Folge gewinnen und hatte bei 6:4 zwei Matchbälle. Beide konnte Haas abwehren und hatte dann bei 7:6 ihrerseits Matchball, den sie aber vergab. Und dann 8:7 für Katerina - die Situation des gesamten Spiels. Katerina macht unglaublich Druck, jagt die Gegnerin von einer Ecke in die andere und schließlich landet der Rettungsversuch von Theresa ganz knapp im Aus. Halbfinale erreicht! - Nein, denn Katerina gibt den Ball gut - 8:8. Entnervt unterlaufen ihr zwei Fehler in Folge und sie gibt den schon gewonnenen Tiebreak nach 69 Minuten doch noch mit 8:10 ab. Eigentlich sprach jetzt alles für Theresa. Katerina war nicht nur mental angeschlagen, auch die Kräfte liessen merklich nach. Zudem herrschten während des gesamten Spiels sommerliche Temperaturen und der zweite Satz hatte viel Substanz gekostet, auch bei Theresa. Überraschenderweise erwischt Katerina aber einen guten Start in den entscheidenden dritten Satz und es entwickelt sich zunächst ein ausgeglichenes Spiel, das durch gewaltige Vorhandduelle beider Mädels geprägt war. Beim Spielstand von 3:2 gelingt Katerina das Break zur 4:2-Führung, die inzwischen die Tatik geändert hat und vermehrt die etwas schwächere Rückhand von Theresa sucht. Und dies zahlt sich schließlich aus, da die Fehlerquote auf der anderen Seite dadurch merklich steigt. Nach Break und Re-Break schlägt Katerina bei 5:4 zum Matchgewinn auf und bringt ihr Service sicher durch. Ein grandioses und hochdramatisches Spiel geht nach 2h22m zu Ende. Halbfinale - und damit der ersehnte Platz auf dem Siegerpodest geschafft. Am Ende liegen sich die beiden Freundinnen in den Armen, die eine traurig - die andere glücklich, ein Bild das man gerne sieht, bei aller Konkurrenz auf dem Platz. Zum feiern allerdings bleibt keine Zeit. In nur drei Stunden muß Katerina wieder auf dem Platz stehen und das Halbfinale bestreiten, gegen eine Gegnerin die mit deutlich weniger Kräfteverbrauch dorthin gekommen ist.
Mia Mack aus Württemberg, zweite der Setzliste, heißt die Halbfinalgegnerin. Die wichtigste Frage ist - wie hat Katerina das schwere Match am Mittag verkraftet? Die Antwort ist leider - nicht so gut. Sie wirkt müde und unkonzentriert und trifft dabei auf eine ganz starke ihres Faches. Mit einer gewaltigen Vorhand und sehr guten Aufschlag ausgestattet macht Mia von Beginn an mächtig Druck. Bis zum 2:2 kann Katerina mithalten, aber dann geht erstmal nichts mehr. Jetzt zahlt Katerina den Preis für die fatale Fehlentscheidung vom Spiel zuvor, die ihr eine Stunde mehr Spielzeit in der Mittagshitze beschert hatte. Nach 35 Minuten gewinnt Mack den Satz mit 6:2. Eigentlich deutet alles auch auf einen schnellen zweiten Satz hin, aber erstaunlicherweise wirkt Katerina jetzt deutlich präsenter und es entwickelt sich ein Spiel auf Augenhöhe. Keines der beiden Mädchen kann sich deutlich absetzen und da sie zudem noch ein sehr ähnliches Spiel haben, sehen die zahlreichen Zuschauer einen spannenden Satz mit viel Powertennis und spektakulären Winnern auf sehr hohem Niveau. Letztendlich kann sich Mia nach 47 Minuten auch den zweiten Satz mit 7:5 sichern und das Ticket für das große Finale am Sonntag in Lemgo buchen. Ein Erfolg der sicherlich auch verdient war, aber es wäre schon interessant gewesen zu sehen wie das Spiel verlaufen wäre, wenn Katerina das Viertelfinale mit weniger Aufwand absolviert hätte. Trotzdem war Katerina, bei ihrem letzten Auftritt bei diesem wunderbaren Turnier, mit dem Erreichten glücklich und zufrieden.
Das Finale gewann Mia Mack gegen die Mitfavoritin Joëlle Steur (Westphalen) mit 7:5, 6:2. Über das gesamte Turnier gesehen eine wirklich verdiente Turniersiegerin.
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