Zwangspause für Stadtteilpflege

Auch in Wilhelmsburgs schlimmster Müllecke, der Straße Rotenhäuser End, hat die Projektgruppe regelmäßig für Sauberkeit gesorgt. (Foto: Claudia Pittelkow)

Behörde dreht Geldhahn zu: Projektgruppe soll aber mit neuem Konzept weitermachen

Ihrem wachsamen Blick entgeht selten etwas: Die Projektgruppe Stadtteilpflege Wilhelmsburg kümmert sich seit 13 Jahre darum, dass vermüllte
Ecken im Stadtteil schnell aufgeräumt werden. Doch ihre Sitzung Mitte Januar soll vorerst die letzte gewesen sein. „Wir waren völlig überrascht, dass es plötzlich kein Geld mehr gibt“, sagt Peter Flecke, der seit Anfang an dabei ist. Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) hatte bisher ein Ingenieurbüro beauftragt, die Sitzungen der Gruppe zu organisieren. Die benötigten 25.000 Euro hat die BSU zu Jahresbeginn gestrichen. „Seitdem die IBA und igs zu Ende sind, wird hier alles gestrichen“, kritisiert Flecke und fordert: „Die Gruppe muss weitermachen! Sie ist wichtig für den Stadtteil.“
BSU-Sprecher Volker Dumann beschwichtigt: „Es wird auf jeden Fall weitergehen, aber anders. Wir wollen sehen, was sich nach 13 Jahren verbessern und verändern lässt.“ Der Vertrag mit dem beauftragten Ingenieurbüro sei zum Jahresende ausgelaufen. Das sei ein guter Zeitpunkt, das Konzept der Gruppe weiterzuentwickeln, meint der BSU-Sprecher. Ende des Monats wird es eine Ausschreibung geben, um ein neues Ingenieurbüro zu finden. Ob jedoch weiter 25.000 Euro jährlich zur Verfügung stehen werden, sei noch unklar, so Dumann.
Die Projektgruppe war 2001 aus dem Beirat für Stadtteilentwicklung hervorgegangen. Sie bestand aus interessierten Bürgern, die sich ehrenamtlich engagierten sowie Vertretern der Stadtreinigung, des Bezirksamtes und der BSU. Anfangs hatten sich ihre rund 15 Mitglieder ein Mal im Monat zusammengesetzt, später wurde die Anzahl der Sitzungen aus Kostengründen auf sieben im Jahr reduziert. Die Gruppe kümmerte sich mit Unterstützung der Stadtreinigung darum, dass diverse Dreckecken im Stadtteil gesäubert wurden. Zudem versuchte sie, zum Beispiel mit einer Postkartenaktion, das Bewusstsein der Elbinselbewohner dafür zu stärken, ihr Wohnumfeld sauber zu halten.
Egon Martens, Gründungsmitglied und langjähriger Sprecher der Gruppe, hat schon im vergangenen Jahr das Handtuch geworfen. „Die Stadt hat die Mittel für Sauberkeit in Hamburg immer weiter reduziert. Wenn ich immer nur zu hören kriege: ,Dafür gibt es kein Geld und keine Mitarbeiter’ hat meine ehrenamtliche Arbeit keinen Sinn mehr“, sagt er bitter.


Hamburg räumt auf:
Eine der Aufgaben der Projektgruppe Stadtteilpflege war es, den Einsatz von Wilhelmsburger Schulen, Kitas und Initiativen während der Aktion „Hamburg räumt auf“ zu organisieren. In diesem Jahr mussten sich die Gruppen selbst auf www.hamburg-raeumt-auf.de anmelden. Vom 21. bis zum 30. März werden 27 Initiativen die Elbinsel von Müll und Unrat befreien, 2013 waren es 15. Handschuhe, Greifzangen und Abfallbeutel stellt die Stadtreinigung, die den Müll im Anschluss auch abtransportiert. Eines wird es in diesem Jahr nicht geben: Das bisher von der Stadtteilpflege organisierte gemeinsame Abschlussfest für die Wilhelmsburger Aufräumtruppe fällt ins Wasser.
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