„Zuviel Miete für Schrottwohnung“

Noureddini Zaafrani kritisiert, dass im Zuge der Neugestaltung von Wilhelmsburg viele Ecken vergessen und vernachlässigt werden - so wie sein Wohnhaus, beim dem die Saga Eigentümerin ist. Foto: sk

Aus der Reihe: Wilhelmsburger erzählen, wie es sich hier leben lässt

von Steffen Kozieraz

Seit 21 Jahren wohnt Noureddini Zaafrani auf der Elbinsel und fühlt sich insgesamt wohl in seinem Viertel. „In Wilhelmsburg herrscht Multi-Kulti, ähnlich wie in Marseille oder Lyon. Es geht hier gemütlich zu, und das gefällt mir sehr,“ erzählt der über Frankreich eingewanderte Marokkaner. Doch damit hat er sein positives Vokabular für Wilhelmsburg an diesem verregneten Tag auch schon fast ausgeschöpft.
Die Neugestaltung von Wilhelmsburg im Zuge der Ausstellungen Gartenschau und IBA findet er zwar gut, doch ist er mit seiner eigenen Wohnsituation unzufrieden: „Bei uns in der Georg-Wilhelm-Straße sind alle Häuser renoviert worden, außer das Haus, in dem ich wohne. Die Türen und Fenster sind undicht. Wir bezahlen zuviel für diesen Schrott. Die Saga verarscht uns,“ ereifert sich der 42-Jährige. Wenn er eine bessere Wohnung mit etwas Grün vor der Haustür fände, gerne auch außerhalb von Wilhelmsburg, dann würde er sofort wegziehen. Den Verkehr im Reiherstiegviertel empfindet er als chaotisch. „Auch wenn die Polizei hier viel kontrolliert: Die Autos fahren zu schnell. In den Wohnstraßen müsste man Tempo-30-Zonen einrichten,“ fordert Zaafrani. Außerdem müsse es mehr Parkplätze für die Anwohner geben.
Das Freizeitangebot auf der Elbinsel stuft der Familienvater als zu gering ein. Da ist er froh, dass er wenigstens ein Schwimmbad vor der Nase hat, dass er oft und gerne nutzt. Doch: „Das eine Schwimmbad ist für Wilhemsburg zu klein, das Becken dadurch immer viel zu voll.“ So gehört Zaafrani zu denen, die sich einerseits auf das neue Schwimmbad freuen, sich andererseits aber darüber ärgern dürften, dass sie ab September für sieben Monate gar kein Schwimmbad haben werden. „Das ist doch Mist! Dann muss ich ja zum Schwimmen bis nach Harburg,“ ärgert sich Zaafrani, als er bei diesem Gespräch von der Schwimmbadschließung erfährt. Gegen diese miese Nachricht und den Nieselregen hilft jetzt nur ein Galao, findet der Marrokaner und verabschiedet sich in Richtung Café. „Beim Portugiesen kann man immer nett sitzen. Das ist einer meiner Lieblingsplätze,“ sagt Zaafrani.
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