Zuhause im 7. Stock

Die alte Heimat Kirchdorf-Süd: Sabine Dormeier (53) mit ihrer Mutter Irmgard Burmeister (86). Foto: cvs

Erinnerungen einer Zeitzeugin: Sabine Dormeier (53) hat als Jugendliche in Kirchdorf-Süd gelebt

Von Christopher von Savigny.
Der erste Blick auf die 14- stöckigen Wohnblocks wirkt beeindruckend, fast ein wenig bedrohlich. „Ich fand das einschüchternd,“ räumt Sabine Dormeier ein. „Aber gleichzeitig auch sehr spannend!“ Im Jahr 1976 zog die damals 13-Jährige mit ihren Eltern und ihren beiden jüngeren Geschwis- tern aus Harburg kommend in die damals frisch erbaute Wohnsiedlung Kirchdorf-Süd ein. Die Eltern freuten sich auf den Ortswechsel, der Umzugswagen war vollgepackt mit neu gekauften Möbeln.
Die Wohnung lag im 7. Stock am Karl-Arnold-Ring. Vom Fenster aus guckte die junge Sabine in die Natur, nach Moorwerder. Ihr Vater hatte eine Stelle als Platzwart beim TV Jahn Wilhelmsburg bekommen. Sabine begann, sich für Leichtathletik zu interessieren und machte viel Sport in ihrer Freizeit. Mit ihrer Freundesclique traf sie sich nachmittags im grünen Innenhof zwischen den Hochhäusern, am Wochenende ging es in die Disco „Penny Lane“ in Alt-Kirchdorf, die inzwischen leider abgebrannt ist.

„Das ist ein richtiger
Stadtteil geworden“

Oder man fuhr mit dem Bus nach Hamburg – eine S-Bahn-Verbindung existierte damals noch nicht. „Das war damals fast eine Weltreise“, erinnert sich die heute 53-Jährige. Die Atmosphäre im Stadtteil hat sie als „friedlich und entspannt“ in Erinnerung: „Es gab noch eine richtige Nachbarschaft. Das war kein anonymes Nebeneinander-her-Wohnen!“
Aus Sicht der „Auswärtigen“ hatte Kirchdorf-Süd allerdings bereits den Ruf weg, ein Getto zu sein. Sabine ging weiterhin in Harburg zur Schule, von ihren Mitschüler wurde sie gehänselt: „Was? Da wohnst Du? Ich möchte nicht dort leben!“ Die Schülerin steckte das zwar weg, ärgerte sich aber trotzdem: „Wir wurden verurteilt, ohne dass man irgendetwas über uns wusste“, sagt sie rückblickend.
Als 20-Jährige zog Dormeier – aus privaten und beruflichen Gründen – zurück nach Harburg. Seit 14 Jahren arbeitet sie jetzt wieder im Stadtteil – als Altenbetreuerin in der Wohnanlage des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) am Kirchdorfer Damm. Auch ihre Mutter lebt inzwischen dort. Was sich in den letzten 40 Jahren geändert hat?
„Die Wohnqualität“, sagt Dormeier. „Friseur, Bäcker, Supermarkt, Restaurant – das hatten wir früher alles nicht. Ich finde, es ist ein richtiger, eigener Stadtteil geworden!“
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