Zomia zieht nach Altona

„Besetzt“: Am Mittwoch vergangener Woche waren die Zomia-Bewohner urplötzlich in der Schützenstraße aufgetaucht. Foto: cvs

Nach Verhandlungen: Bauwagengruppe stimmt Wohnortwechsel auf Zeit zu

von Chistopher v. Savigny

Es war nur eine Stippvisite: Mit rund zehn ihrer rollenden Behausungen war die Wilhelmsburger Bauwagengruppe Zomia am Mittwoch vergangener Woche in Bahrenfeld eingetroffen – nicht auf dem zuvor vom Bezirk angebotenen Platz am Holstenkamp, sondern auf einem städtischen Grundstück an der Ecke Schützenstraße/ Leverkusenstraße, das sich die Zomia-Leute spontan als neuen Wohnort ausgesucht hatten. Angesichts eines Großaufgebots von etwa 370 Polizisten zogen es die Besetzer am Abend vor, das Feld zu räumen. Während die Bauwagen zurück nach Wilhelmsburg an den Ernst-August-Kanal rollten, demonstrierten rund 400 Zomia-Sympathisanten friedlich im Schanzenviertel.
Trotzdem: Es sieht nun alles danach aus, als ob Altona zur neuen Heimat für Zomia wird. In einem Gespräch mit Bezirkspolitikern und der Verwaltung einigte man sich darauf, nun doch erst einmal auf die zuvor verschmähte Fläche am Holstenkamp zu ziehen. Dort sollen die Bewohner sogar Toiletten und Sanitärräume nutzen können. Im Internet betont die Gruppe, sie würden nur unter der Voraussetzung umziehen, dass „gemeinsam diskutierte Bedingungen“ eingehalten werden. Unter anderem soll der Bezirk jetzt nach einem „längerfristigen alternativen Standort“ suchen. Auf Dauer ist das Gelände am Holstenkamp zu klein, außerdem wird dort ab Januar gebaut. Bis Freitag dieser Woche haben die Bauwagenbewohner Zeit, das Angebot Altonas anzunehmen. Ansonsten droht am Ernst-August-Kanal die Räumung durch das Bezirksamt Mitte. Eine im letzten Moment eingereichte Petition war vom Eingabeausschuss der Hamburger Bürgerschaft als „nicht abhilfefähig“ abgelehnt worden – im Endeffekt brachte sie den Zomia-Leuten lediglich ein paar Tage Aufschub.
Altonas Politiker, die bereits reichlich Erfahrung mit (inzwischen offiziell geduldeten) Bauwagenplätzen gesammelt haben, zeigten sich von Zomias Haltung enttäuscht: „Altona hat eine sehr weitreichende Einladung ausgesprochen, die Zomianer aber haben mit neuen Bedingungen geantwortet“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Adrian. Die Forderung, schon heute die übernächste Fläche definitiv festzulegen, sei unerfüllbar.
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2 Kommentare
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Jörn Frommann aus Wilhelmsburg | 01.12.2011 | 14:28  
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anna elbe aus Altona | 05.12.2011 | 17:02  
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