Zoff im Seniorenheim

Karla Hillers fühlt sich bedroht. „Ich suche eine neue Wohnung, finde aber nichts“, bedauert sie. (Foto: Christopher von Savigny)

63-Jährige von Ex-Mann und dessen Freundin misshandelt

von Ch. v. Savigny, Wilhelmsburg
Es passierte an einem sonnigen Nachmittag auf dem Gelände des Seniorenwohnheims Wilhelm-Carstens-Stift. „Wir saßen draußen auf der Bank“, erzählt Karla Hillers (63). „Plötzlich kamen er und seine Freundin auf uns zugeschossen, so ganz ohne Vorwarnung.“ Mit den Worten „Auf die Hackfresse habe ich schon lange Appetit!“ soll sich Kurt D. (60) auf Hillers Begleitung, einen Rollstuhlfahrer, gestürzt und ihm einige Schläge gegen den Kopf verpasst haben. Die Seniorin selbst bekam es mit Claudia Sch. (45) zu tun. „Sie hat meinen Kopf gegen die Wand geschlagen und mir in den Magen geboxt“, berichtet Hiller. Später sei sie ins Krankenhaus gefahren. „Dort hat man eine schwere Gehirnerschütterung festgestellt, außerdem Hämatome an Hals und Magen.“
D. ist Hillers Ex-Ehemann. Schon vor Jahren ließen sie sich scheiden, dennoch übernahm sie seine Pflege, als er krank wurde. Vor einem Jahr schließlich folgte sie ihm und zog von Lurup nach Wilhelmsburg ins Carstensstift. Inzwischen bereut Hillers ihren Umzug. „Er war schon immer ein aggressiver Typ“, sagt sie. Jetzt würden er und seine 15 Jahre jüngere Freundin Alkohol trinken und die Bewohner terrorisieren. „Ich traue mich nicht mehr vor die Tür,“ berichtet Hillers.
In den Augen der Polizei hat sich der Vorfall allerdings weit weniger dramatisch abgespielt. „Wir waren vor Ort und haben zwei Anzeigen aufgenommen“, berichtet Gerd Wilke vom Polizeirevier in der Georg-Wilhelm-Straße. Jedoch sei dort nur von Ohrfeigen die Rede gewesen. „Es sind keine sichtbaren Verletzungen entstanden, die Betroffene hat einen Rettungswagen abgelehnt.“
Auch Heimverwalterin Karin Schwede findet, dass die Angelegenheit aufgebauscht wurde. „Wir haben hier niemanden, der andere terrorisiert. Das sind Einzelfälle“, sagt sie. Zudem habe die Betroffene selbst zum Streit beigetragen. In welcher Form, sagt die Verwalterin nicht. Hillers bestreitet den Vorwurf: „Ich habe seit einem Jahr überhaupt keinen Kontakt mehr zu meinem Ex-Mann!“
Die Seniorin hat ihren Betreuer, den Wilhelmsburger Rechtsanwalt Vehbi Ördek, mit der Sache beauftragt. Eine einstweilige Verfügung soll D. daran hindern, seiner Ex-Frau näher als 50 Meter zu kommen. „Wir warten aber erstmal ab, was die polizeilichen Ermittlungen ergeben“, so Ördek.
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