Zeitbombe Veringkanal

An den Ufern des Veringkanals waren im 20. Jahrhundert zahlreiche Industriebetriebe angesiedelt. Foto: cvs

Seit Jahrzehnten ist das Gewässer schwer mit industriellen
Schadstoffen belastet - Gefährdung des Grundwassers möglich - aber niemanden interessiert’s

Von Ch. v. Savigny.
Den Abschnitt am Südende des Veringkanals nennen Klaus Baumgardt und seine Kollegen vom Förderkreis „Rettet die Elbe" nur „Klein-Bitterfeld". In Anlehnung an die Stadt in Sachsen-Anhalt, ein Symbol für massive Umweltverschmutzungen in der ehemaligen DDR. Der Verein veranstaltet alternative Hafenrundfahrten, die unter anderem nach Wilhelmsburg führen. „Bei Haltermann stank es ganz schön nach Teeröl", erinnert sich Baumgardt.

20.000 Kubikmeter
belasteter Boden ausgetauscht


Inzwischen ist der Äußere Veringkanal so verlandet, dass Barkassen ihn nicht mehr befahren können. Hafenrundfahrten führen außen dran vorbei. Das Problem der Verschmutzung bleibt allerdings unverändert, auch wenn die Umweltbehörde im Vorfeld der Gartenschau (igs) eine Teilsanierung vorgenommen hat: 2010 wurden 20.000 Kubikmeter belasteter Boden ausgetauscht, zudem wurden Drainagen gelegt und Spundwände gesetzt, um zu verhindern, dass belastetes Wasser in den Veringkanal gelangt.
Eine weitere Sanierung hatte fünf Jahre zuvor auf dem benachbarten Gelände des ehemaligen Furnierwerks Kemper stattgefunden. Dort waren jahrzehntelang mit giftigen Holzschutzmitteln behandelte Tropenhölzer verarbeitet worden. Inzwischen wurden
Sickerbrunnen installiert, die Schadstoffe ableiten sollen.

Gefahr lauert
in der Tiefe

Das reicht nicht, meinen die Umweltaktivisten von „Rettet die Elbe“. Nach ihrer Ansicht lauert die eigentliche Gefahr in der Tiefe. „Desodorierte Kohlenwasserstoffe, Dioxine - man findet eigentlich alles", sagt der Vereinsvorsitzende Herbert Nix. „Und das einzige, das der Behörde einfällt, sind Sickerbrunnen." Das Erbe des Teerdestillierers Haltermann könnte längst den 200 Meter tiefen Grundwasserleiter erreicht haben, aus dem Hamburg sein Trinkwasser bezieht. „Eine Gefährdung ist nicht auszuschließen“, räumte die Umweltbehörde schon vor Jahren ein.

Vorsicht beim Verzehr von selbst geangeltem Fisch

Abhilfe gibt es kaum: „Bei der Größenordnung ist schwer was zu machen", sagt Harald Köpke (BUND Wilhelmsburg). Der Umweltexperte schlägt vor, den Veringkanal zu renaturieren. „Man könnte Schilf anpflanzen, um wenigstens das Oberflächenwasser zu reinigen", sagt Köpke. Die Umweltbehörde rät, monatlich nicht mehr als ein bis zwei Kilo selbst geangelten Fisch aus dem Veringkanal zu verzehren.
Der Verein „Rettet die Elbe“ hat sein Engagement für den Veringkanal vor 13 Jahren aufgegeben - weil man keine Chance auf Besserung sah...
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