Xaver tobte weniger als erwartet

Dieses Foto schoss Wochenblatt-Bürgerreporter Raimund Samson am Freitag, 6. Dezember, früh morgens am Ernst-August-Deich, Ecke Fährstieg. (Foto: Raimund Samson)

Zweiter schwerer Herbststurm legte Bahnhof Wilhelmsburg lahm und setzte Straßen unter Wasser

von Christiane Handke/Anna Sosnowski, Wilhelmsburg
Mehr Wasser als Wind brachte „Xaver“ den Hamburgern in der vergangenen Woche. Nach den Erfahrungen mit dem Oktobersturm „Christian“ hatten diesmal alle Alarmglock-en geklingelt. Die Stadt bereitete sich auf einen Jahrhundertsturm vor, die Feuerwehren standen Gewehr bei Fuß. Doch Xaver zeigte sich gnädig und tobte sich vorwiegend an den Küsten aus.
In Wilhelmsburg musste am Donnerstag der S-Bahnhof vorübergehend gesperrt werden, nachdem sich gegen 21.15 Uhr auf einer Länge von rund 40 Metern 35 Kilo schwere Fassadenteile gelöst hatten und von der Decke fielen. Glücklicherweise wurde niemand verletzt. Die Polizei sperrte den Bahnsteig ab. Gegen 23.30 Uhr hatten Feuerwehrleute die Fassadenteile entfernt, und die S-Bahn konnte wieder in Wilhelmsburg halten.
Auch im Ernst-August-Deich waren die Feuerwehrleute im Einsatz. Gegen 7 Uhr am Freitagmorgen qualmte ein Stromkasten vor dem Haus Nummer 57, das dem Deich vorgelagert ist. Der Kasten stand im Wasser, Leitungen waren durchgeschmort. Der Strom musste abgestellt werden, die Feuerwehr evakuierte das Gebäude.
Spektakulär waren die Sturmfluten, die mit Xaver einhergingen. Am Freitagmorgen wurde ein Pegelstand des Morgenhochwassers von 3,98 Meter über dem mittleren Hochwasser am Pegel St. Pauli gemessen. Damit war diese Sturmflut die zweitschwerste nach der vom 3. Januar 1976. Damals wurde ein Rekordpegelstand von 4,34 Meter über dem mittleren Hochwasser (MHW) erreicht. Ab einem Pegelstand von 3,50 Meter über dem MHW spricht man von einer sehr schweren Sturmflut. Die verheerende Sturmflut von 1962 war exakt 39 Zentimeter niedriger als die, die Xaver die Elbe hochspülte.
Die Deiche hielten den Wassermassen im gesamten Stadtgebiet stand. Nachdem der Wasserstand die Alarmstufe 2 und später 3 erreicht hatte, warteten 32 ehrenamtliche Wilhelmsburger Deichschützer von Donnerstag, 23 Uhr, bis Freitag, 7 Uhr, in der Turnhalle an der Rotenhäuser Straße auf einen möglichen Einsatz. Sie verfolgten ganz ohne Panik die neuesten Nachrichten am Radio. „Wir sind schon Jahrzehnte dabei, da ist man nicht aufgeregt“, sagte Deichwacht-Chef Uwe Sommer. Die folgende Nacht konnten die Deichschützer zu Hause bleiben, es herrschte lediglich Alarmstufe 1.
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