Wohnung weg! Und jetzt?

Hannelore und Klaus-Peter Hartmann müssen ihre Wohnung räumen. Das Ehepaar sucht seit Monaten verzweifelt eine neue Bleibe.

Wilhelmsburger Familie verliert ihr Zuhause

Sie haben einen Anwalt eingeschaltet, ihre Mietschulden beglichen und gehofft, dass alles wieder gut wird. Genützt hat es nichts: Hannelore und Klaus-Peter Hartmann und ihre 21-jährige Tochter sollen ihre Drei-Zimmer-Wohnung im Erdgeschoss des Saga-Mietshauses in der Weimarer Straße, in der sie seit 28 Jahren leben, zum 31. März räumen. Doch die Hartmanns wissen nicht wohin und wollen bleiben.
Laut Saga hatte die Familie seit vielen Jahren immer wieder Schwierigkeiten, ihre Miete rechtzeitig zu zahlen. Es folgten Abmahnungen und Räumungsklagen, doch die Saga drückte lange ein Auge zu. Bis sie im vergangenen Jahr endgültig die Reißleine zog und den Hartmanns kündigte. Die Sache ging vor Gericht, die Familie soll gehen.
„Wir hoffen darauf, bleiben zu können. Zumindest bis wir eine Wohnung finden“, sagt Hannelore Hartmann (58). Ein Versuch ihres Anwalts, vor Gericht einen sechsmonatigen Räumungsaufschub zu erwirken, schlug jedoch fehl. Auch die Mitarbeiter der Fachstelle für Wohnungsnotfälle konnten die Saga nicht zum Umlenken bewegen. Diese Stelle in der Verwaltung hilft bei Problemen mit Mietschulden, vermittelt zwischen Mietern und Vermietern und greift ein, wenn Menschen von Obdachlosigkeit bedroht sind.
Dass sie in den nächsten Tagen obdachlos werden, müssen die ungeliebten Mieter dennoch nicht befürchten. Laut Saga fehlen noch Unterlagen, die für die Räumung erforderlich sind.
Währenddessen versucht Klaus-Peter Hartmann (60) mehr Zeit zu gewinnen. „Wir wollen vor Gericht Räumungs- und Vollstreckungsschutz beantragen“, sagt er. Weil alle Mitglieder der Familie gesundheitlich schwer angeschlagen sind und darüber ärzliche Atteste vorliegen, hofft Hartmann, doch noch einen Aufschub erwirken zu können. Klappt auch das nicht, wollen die drei in ihren Wohnwagen auf einem Campingplatz ziehen. Ihre Habseligkeiten können sie in Kellern von Verwandten und Freunden unterbringen, bis sie wieder eine neue Bleibe haben.
In den vergangenen sechs Monaten hat sich das Ehepaar für 130 Wohnungen in Hamburg und Umgebung beworben – bisher ohne Erfolg. Hamburgs größten Vermieter können sie von ihrer Liste streichen. Denn mit der Saga haben es sich die Hartmanns endgültig verscherzt.


Wo gibt es Hilfe?
Wer seine Wohnung verliert, hat Anspruch auf eine öffentlich-rechtliche Unterbringung. Nach Angaben der Sozialbehörde leben hamburgweit etwa 2.700 Bürger in Unterkünften der Stadt, bis sie wieder eine eigene Wohnung finden. Die Warteliste für solche Plätze ist jedoch lang, Hilfesuchende müssen sich gedulden.
Kontakt: Fachstelle für Wohnungsnotfälle Mitte, Kurt-Schumacher-Allee 4, Tel. 428 54 49 43, donnerstags von 8.30 bis 15 Uhr geöffnet.
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