Wohin mit den Büchern?

Ein Leben mit Büchern: Einen Teil ihrer Ware haben Ralph und Nelly Fleckhaus zurzeit in ihre Wohnung ausgelagert, weil dort schön trocken ist. Foto: cvs

Wilhelmsburgs Bücherretter Ralph und Nelly Fleckhaus
suchen ein neues Lager

Von Christopher von Savigny.
Das Projekt „Bücherrettung" begann vor ziemlich genau zwölf Jahren, und zwar in Köln. „Ich habe zufällig mitbekommen, wie jemand seine Bücher in einem öffentlichen Abfalleimer entsorgte", berichtet Nelly Fleck-haus. Für die gebürtige Rheinländerin, die mittlerweile in Wilhelmsburg lebt, ein regelrechtes Sakrileg. „Bücher sind für mich etwas Heiliges. Die wirft man nicht einfach weg!" Die offenbar nicht mehr benötigte Lektüre wurde also mitgenommen und sorgsam zu Hause verstaut.
Im Laufe der Zeit wurde aus dem kleinen Stapel eine riesige Sammlung: Heute sitzen Ralph und Nelly Fleckhaus in ihrer Wohnung im Reiherstiegviertel vor einer gewaltigen Bücherwand mit rund 2.500 Titeln. Das Spektrum reicht von Belletristik bis hin zu Sachbüchern, viel Reiseliteratur und viele Bildbände sind darunter. Dabei, sagt Nelly Fleckhaus, sei das noch der kleinste Teil. „Wir haben noch so viele Bücherkisten in unserem Lager, die können Sie gar nicht zählen!"
Den gesammelten Lesestoff, der aus Spenden und Haushalts-auflösungen stammt, gibt Nelly Fleckhaus, die beruflich Deutsch als Fremdsprache unterrichtet, gratis weiter an Bedürftige. Zurzeit plant sie ein Lese-Projekt mit Flüchtlingen. Besonders interessante und wertvolle Werke werden von ihrem Mann über ein Online-Antiquariat verkauft. Aktuell sucht Ehepaar nach einem neuen Standort.
Das Problem: Das Bücherlager am Reiherstiegdeich müssen sie spätestens zum 1. Juni dieses Jahres räumen, da der Mietvertrag nicht verlängert wird. Gesucht wird passende Alternative - etwa 40 bis 100 Quadratmeter groß, trocken, ebenerdig, möglichst günstig und möglichst nicht allzu weit entfernt.
Die Liebe zu Büchern kommt bei Nelly Fleckhaus nicht von ungefähr: Ihr Vater Willy Fleckhaus war ein bekannter Buchgestalter, der beim Suhrkamp-Verlag die „Regenbogen-Reihe" entwarf. Auch ihre Mutter habe schon immer gern gelesen, sagt Fleckhaus. „Angeblich sogar bei meiner Geburt!" Sie selbst läsen am liebsten Sachbücher - er zurzeit einen Bildband über Fotografie, sie ein Selbsthilfebuch. „Wenn ich ein Buch ausgelesen habe, gebe ich es sofort weiter", sagt sie.

Kontakt per E-Mail:
fleckhaus@hotmail.com
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