Wird Hybrid House zum „Family Care Zentrum“?

Kinderarzt Cengiz Senol kann sich das „Hybrid-House“ am Inselpark als „Family Care Zentrum“ vorstellen. Die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz verfolgt aber einen anderen Ansatz. Foto: tsilis

Behörde lehnt Vorschlag des Wilhelmsburger Kinderarztes Cengiz Senol ab -
örtliche SPD will Projekt weiterverfolgen

Von Andreas Tsilis.
Kinderarzt Cengiz Senol kämpft an vielen Fronten. Viele Familien mit ausländischen Wurzeln kommen in seine Praxis. Es sind Menschen, die ihre Kinder mit Karies, Übergewicht und Entwicklungsverzögerungen zu ihm bringen. Senol, der seine kleinen Patienten „unsere Kinder“ und Wilhelmsburg „meinen Kiez“ nennt, ist vor Ort bekannt wie ein bunter Hund.
Aber das macht die Sache für ihn nicht einfacher. Drei Kinderarztpraxen hat die Elbinsel, in betuchteren Stadtteilen findet man genausovi in nur einer Straße. Dass sich kein Kollege für den Standort begeistert, kann Senol nachvollziehen. Wilhelmsburg ist nicht Winterhude – was sich auch in der täglichen Arbeit bemerkbar macht: Nicht selten ist Senol eher Sozialarbeiter und Integrationshelfer, weniger Mediziner.
Finanziell bringt diese Arbeit wenig ein, und frustrierend ist es auch, denn die wenigsten Familien gehen nach der Visite aufgrund seiner Empfehlung beispielsweise zur Fachbehörde, dem Ernährungsberater oder melden den Sprößling im Kindergarten an.

Bürgermeister
vermittelte Gespräch

Um erfolgreich gegenzusteuern, entwickelten Senol und seine Kollegin Gabriela Carvalho de Almeida Sedas ein sogenanntes „Family Care-Konzept“. Hier sollen sich alle wichtigen Institutionen „Tür an Tür“ an einem zentralen Ort in Wilhelmsburg befinden. Ausgeguckt haben sich beide dafür das leerstehende „Hybrid-House“ am Inselpark, „das bietet viel Platz und flexibel handhabbare Flächen.“ Schon vor knapp einem Jahr sprach Senol darüber mit Bürgermeister Olaf Scholz, daraufhin konnten die Mediziner ihr Konzept in der Gesundheitsbehörde vorstellen – ohne Erfolg.
Interessiert zeigt sich der Eigentümer der Immobilie, „wenn denn die Miete nachhaltig ist.“ Aktuell liegt der Mietpreis bei 12,50 Euro/m². Gegenüber dem Wochenblatt bekräftigt die Gesundheitsbehörde ihre ablehnende Haltung eines Family Care Zentrums. Behördensprecher Rico Schmidt: „Es ist aus fachlicher Sicht keine sinnvolle Ergänzung zum bestehenden System der Frühen Hilfen.“
Kesbana Klein, SPD-Politikerin aus Wilhelmsburg, ist dagegen zuversichtlich, dass „wir mit der SPD Fraktion in Hamburg Mitte einen guten Weg finden, sein (Senols) großes Engagement für Familien und Kinder in Wilhelmsburg in die Praxis umzusetzen“.

Frühe Hilfen
Frühe Hilfen: In Hamburg bevorzugtes, dezentrales Hilfesystem. Hilfsangebote für Eltern und Kinder ab Beginn der Schwangerschaft und in den ersten Lebensjahren. Entwicklungsmöglichkeiten von Kindern und Eltern sollen in Familie und Gesellschaft frühzeitig und nachhaltig verbessert werden. Zielgruppe: Insbesondere Familien in Problemlagen.

Family Care
Family Care: niedrigschwelliges, kostenloses (muttersprachliches) Angebot. Herkunftsbedingte soziale Defizite sollen frühzeitig ausgeglichen werden. Erhöhte Bindung und Kontrolle durch bessere Zusammenarbeit von Ärzten, Behörden, Sozialdiensten. Angeblich kostensparender als herkömmliche Lösungen.
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