Wilhelmsburgs Trainspotter

Benno Wiesmüller 1982 bei der Arbeit als Aufsichtsbeamter am Hamburger Hauptbahnhof. (Foto: Benno Wiesmüller)
 
Auch nachdem Benno Wiesmüller Ende der 90er Jahre in Pension ging, ließ ihn die Liebe zu Zügen nicht los.

Früher arbeitete Benno Wiesmüller bei der Bahn, heute ist sie sein Hobby

Quietschende Bremsen, pfeifende Lokomotiven und klappernde Waggons haben Benno Wiesmüllers Alltag knapp 40 Jahre lang geprägt. Der Wilhelmsburger hat sein gesamtes Berufsleben bei der Bahn verbracht – eine Tradition in seiner Familie. „Mein Vater war schon bei der Bahn und mein Großvater auch“, erzählt der 73-Jährige, der Ende der 90er Jahre pensioniert wurde.
Bahnhöfe und ihre Geschichte findet der ehemalige Bahnbeamte faszinierend. „Damit habe ich mich schon immer hobbymäßig beschäftigt“, erzählt er. Wo immer der leidenschaftliche Trainspotter hinkommt, macht er Fotos von Zügen, Stellwerken und Gleisanlagen. In seinem riesigen Bilderarchiv finden sich auch zahlreiche Aufnahmen aus Wilhelmsburg. Sechs davon schmücken seit Sommer 2013 den Nordeingang des frisch renovierten S-Bahnhofs. Sie zeigen, wie es hier in den 30er, 70er und 80er Jahren ausgesehen hat.
Lange bevor die erste S-Bahn 1983 auf der Elbinsel hielt, wurden auf dem großen Rangierbahnhof Wilhelmsburg im Minutentakt Güterzüge abgefertigt. Hier arbeitete Wiesmüller seit Ende der 60er Jahre. Als Aufsichtsbeamter wachte er unter anderem darüber, dass die Güterzüge je nach Ziel richtig zusammengestellt wurden. Wann immer er Zeit dazu hatte, fotografierte Wiesmüller Fotos seinen Einsatzort. „Die alten Bauten haben mich besonders interessiert. Auf einmal waren sie alle weg“, erinnert er sich. 1977 verlegte die Bahn den Rangierbahnhof nach Maschen.
Der Bahnbeamte wechselte zum Hauptbahnhof und arbeitete dort 16 Jahre lang in der Zugabfertigung. „Ich war der mit der roten Mütze“, sagt er schmunzelnd. Hier fotografierte Wiesmüller in den 90ern die ersten ICE, und schoss beeindruckende Bilder von der Schneekatastrophe von 1978/79. „Da fuhr gar nichts mehr und wir mussten improvisieren“, erzählt er. Viele der Bilder sind 2006 in einem Buch erschienen, dass Wiesmüller gemeinsam mit einem Freund zum 100. Geburtstag des Hauptbahnhofs veröffentlicht hat. Später schrieb der Bahnexperte noch über Hamburgs Rangier- und Güterbahnhöfe und die Verbindung von Bremen und Hamburg.
Und auch der Bahnbeamte wurde fotografiert: Am 24. Juli und 21. November 1980 zeigte die Tagesschau ein Foto von ihm bei der Arbeit, während Nachrichtensprecherin Dagmar Berghoff über den Stand der Verhandlungen zum Schichtdienst-Ausgleich informierte. „Einige Kollegen haben mich gesehen und gleich Bescheid gesagt“, erinnert er sich.


Info: Bahnhof Wilhelmsburg
Erst nachdem die Elbbrücken 1872 fertig gebaut waren, konnten das nördlichen Elbufer und Harburg mit Schienen verbunden werden. Bis jedoch Züge in Wilhelmsburg hielten, sollte es noch viele Jahre dauern. Zuerst wurde von 1889 bis 1890 ein Rangierbahnhof auf der Elbinsel gebaut. Dann entstand 1891 auf dessen östlicher Seite ein Haltepunkt für Personenzüge, die hauptsächlich Eisenbahner zur Arbeit brachten. Nördlich der Thielenstraßenbrücke stand ein Empfangsgebäude, dass im zweiten Weltkrieg zerstört und 1950 wieder aufgebaut wurde. Die nächste größere Veränderung setzte 1973 ein, als die Bauarbeiten für eine S-Bahn-Linie vom Hauptbahnhof nach Neugraben begannen. Der erste Streckenabschnitt bis Harburg Rathaus konnte am 25. September 1983 eröffnet werden und Wilhelmsburg bekam eine S-Bahn-Haltestelle.
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