Wilhelmsburgs heimliche Mülldeponie

Am ehemaligen Güterbahnhof am Rotenhäuser End wächst eine illegale Müllhalde heran. Laut Bezirksamt handelt es sich um „einen Lagerplatz im Industriegebiet“. Das sei „grundsätzlich zulässig“.

Bahngelände am Rotenhäuser End verkommt –
Bahn will nichts tun, Stadt kann nichts tun, Politik machtlos

Wo ist die schmuddeligste Ecke Hamburgs? Am ehemaligen Güterbahnhof am Rotenhäuser End! Hier entsteht in aller Stille eine riesige, illegale Müllhalde. Abgemeldete Schrottautos, alte Sofas, kaputte Kühlschränke und sonstiger Sperrmüll stapeln sich neben den Gleisen, dazwischen aufgeplatzte, stinkende Mülltüten. Der Schandfleck ist seit langem bekannt, aber: Die Stadt kann nichts tun, der Grundstücksbesitzer will nichts tun. Und der Müllberg wächst und wächst.
Anwohner Peter Hamann (71) beobachtet die Ecke seit Jahren, etliche Male hat er sich beschwert. Passiert ist bis heute nichts. „Weder die Stadt noch den Grundstückseigentümer interessiert das“, wundert er sich.
Eigentümer des Geländes ist die Deutsche Bahn (DB), die sich aber nicht in der Pflicht sieht. „Nach unserer Rechtsauffassung sind wir nicht zuständig für wild entsorgten Müll“, erklärt DB-Sprecherin Sabine Brunckhorst. Zumal das Grundstück frei zugänglich sei. „Es kann ja nicht unsere Aufgabe sein, alte Autos zu entsorgen!“, so die Bahnsprecherin.
Bei der Stadtreinigung Hamburg (SRHH) ist man anderer Ansicht. „Das Problem wäre ganz schnell gelöst, wenn die Bahn das Gelände einzäunen würde“, sagt SRHH-Sprecher Andree Möller. „Das haben wir bereits vor einem Jahr vorgeschlagen, aber die Bahn wollte nicht“, so Möller. Mehr als Bitten sei jedoch nicht möglich. Denn die Stadtreinigung darf den Müll nicht entfernen, da das gesamte Grundstück inklusive der Straße Eigentum der Bahn ist.
Muss denn die Stadt nicht einschreiten? Das zuständige Bezirksamt Mitte winkt ab: „Lagerplätze im Industriegebiet sind grundsätzlich zulässig“, erklärt Behördensprecher Norman Cordes. Und was ist, wenn spielende Kinder sich an dem ganzen Schrott verletzen? Auch hier sieht das Bezirksamt keinen Handlungsbedarf. Cordes: „Wohngebäude sind in unmittelbarer Nähe nicht vorhanden, somit muss auch nicht direkt mit der Anwesenheit von Kindern gerechnet werden.“
Auch die Politik ist in dieser Sache offenbar machtlos, kann nur appellieren: „Die Bahn ist am Zug“, stellt der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Metin Hakverdi klar. Das Unternehmen habe schließlich eine Verantwortung gegenüber dem Stadtteil.
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1 Kommentar
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Lothar Jakob aus Wilhelmsburg | 25.07.2013 | 14:58  
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