Wilhelmsburger Seeadlerpaar verliert Brut im Sturm

Um den Seeadler und seine Brut zu schützen, haben Naturschützer und Bezirksamt viele Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. Jetzt ist die Brut des großen Greifvogels dem Sturm zum Opfer gefallen. (Foto: T. Demuth/Natur-in-Hamburg.de)

Naturschutzgebiet Heuckenlock: Baum mit Horst stürzt um – kein Küken überlebt

Unglück im Heuckenlock: So schwer tobte vergangene Woche der Sturm durch das Naturschutzgebiet in Moorwerder, dass mehrere Bäume umfielen, darunter eine Pappel, in der sich Wilhelmsburgs einziges Seeadlerpaar ein Nest gebaut hat. Der Zeitpunkt war denkbar schlecht: Nur zehn Tage zuvor waren Adlerküken geschlüpft.
Obwohl sie noch zu klein und schwach waren, um an den Nestrand zu krabbeln, ist sich Gerhard Brodowski sicher, dass es zwei Küken gewesen sind. „Wie viele Jungvögel im Nest sitzen, konnte man daran erkennen, wie sich die Altvögel verhielten und wie sie fütterten“, erklärt der Wilhelmsburger, der die Seeadler im Heuckenlock seit Jahren beobachtet und sich für ihren Schutz einsetzt. Er vermutet, dass die Küken in dem Tidegebiet weggespült oder von Krähen gefressen wurden.
Das Seeadlerpaar ist seit rund zehn Jahren im Heuckenlock zuhause. Doch erst 2012 gelang es den großen Greifvögeln, zwei Jungvögel aufzuziehen, 2013 kamen zwei weitere dazu. In den Jahren davor wurden sie immer wieder durch Angler oder neugierige Spaziergänger beim Brüten gestört. Deshalb hat Brodowski eine Truppe von Vogelfreunden zusammengetrommelt, die das Paar nahezu täglich beobachten und beschützen. „Es ist wichtig, dass die Leute auf den Wegen bleiben. Sonst stören sie die Vögel und zertrampeln wertvolle Pflanzen“, sagt Brodowski. Das gilt jetzt mehr denn je. „Die Vögel sind verstört und suchen den Baum mit dem Horst“, berichtet der Vogelexperte. Er hofft, dass sich das Pärchen nächstes Jahr ein neues Nest bauen und erneut brüten wird.
Besonders tragisch ist der Verlust der Küken, weil es zurzeit lediglich zehn Seeadler im Stadtgebiet gibt. Nach Angaben des Naturschutzbundes Nabu sind darunter jetzt nur noch zwei brütende Paare. Das Wilhelmsburger Seeadler-Pärchen war 2012 nach über 100 Jahren das erste, das Jungtiere in Hamburg großgezogen hat. Um ihre Brut zu schützen, hatte das Bezirksamt Mitte das Gebiet um den Horst eingezäunt, den Aussichtspunkt Strandbucht gesperrt und vor Ort regelmäßig kontrolliert.
Im Heuckenlock fallen bei Stürmen häufig Bäume um. Im Dezember 2013 war eine etwa 350 Jahre alte Flatterulme dem Orkantief Xaver zum Opfer gefallen. Vom 21. März bis zum 3. April hatte das Bezirksamt das Naturschutzgebiet für Aufräumarbeiten sperren lassen, weil zuvor durch starke Böen eine Weide quer über den Wanderweg gestürzt war.

Infos für Vogelfreunde:
Mehr über die Seeadler im Heuckenlock und viele andere Themen rund um den Naturschutz in Hamburg sowie beeindruckende Fotos finden Interessierte auf den Internetseiten von Gerhard Brodowski: www.natur-beobachtungen.de
www.brodowski-fotografie.de
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