Wilhelmsburg zu arm für Bäume?

Ein neuer Baum inklusive Pflanzung kostet in Hamburg rund 1.000 Euro. Bis er so riesig ist wie diese Linde, dauert es Jahrzehnte. Foto: pit

Baumspende-Aktion der Stadt: Hamburger gaben schon 130.000 Euro für Neupflanzungen – kein Cent aus Wilhelmsburg und Veddel

von Claudia Pittelkow, Wilhelmsburg
Hamburger sind Baumfreunde: Mehr als 130.000 Euro sind allein in den letzten fünf Wochen für die Spendenaktion „Mein Baum – meine Stadt“ zusammengekommen. Das einfache Prinzip: Für eine Spende von 500 Euro legt die Stadt den gleichen Betrag nochmals drauf und pflanzt einen Baum am gewünschten Standort. „Bis jetzt können wir schon 260 neue Bäume pflanzen“, freut sich Volker Dumann, Sprecher der Umweltbehörde. Nur: Leider keinen einzigen in Wilhelmsburg.
Denn gepflanzt wird nur dort, wo auch gespendet wird. Auf einem Stadtplan im Internet sind die aktuellen Baumlücken in ganz Hamburg verzeichnet: in Wilhelmsburg sind es beispielsweise 55, auf der Veddel 23. „Die Spender können sich die Bäume, für die sie spenden wollen, gezielt aussuchen“, erklärt Dumann. Allerdings ist die Spendenbereitschaft je nach Stadtteil höchst unterschiedlich: Für die 53 Baumlücken in Ottensen etwa reichen die Spenden bis jetzt schon für 15 neue Bäume, im feinen Othmarschen ist das Spendenlimit sogar schon erreicht. Auf den Elbinseln mit insgesamt 78 möglichen neuen Baumstandorten hat sich dagegen nicht ein einziger Spender gefunden. Sind die Wilhelmsburger etwa keine Baumfreunde? Oder fehlt es einfach an Geld? Auffällig ist, dass auch in anderen sozial schwachen Stadtteilen wie Billstedt (70 Baumlücken) oder Neuwiedenthal (40 Baumlücken) die Spendenbereitschaft bislang bei null Euro liegt.
Roswitha Stein, Mitglied der Wilhelmsburger Baum+Busch-Gruppe, fallen noch andere Gründe ein: „Erst werden hier für die Gartenschau zigtausende Bäume gefällt, und jetzt sollen die Bürger mit privatem Engagement ein paar nachpflanzen, das ist doch paradox“, kritisiert sie. Die Aktion sei „reines Marketing“, außerdem fehle ein Konzept, wie die Bäume gerecht verteilt werden können.
Die Wilhelmsburgerin Yvonne Habermann-Schade sieht das Senatsprojekt eher positiv. „Das ist doch eine gute Möglichkeit für den Bürger, mal ganz konkret etwas zu tun“, findet sie. Bei 50.000 Einwohnern, so rechnet sie, müsste nur jeder 80 Cent geben, dann könnten alle 78 Bäume gepflanzt werden. „Leider ist die Aktion vor Ort zu wenig bekannt“, sagt sie. Deshalb will sie sich engagieren, Flyer verteilen und an Firmen herantreten.

INFO:
Hamburg ist in diesem Jahr Umwelthauptstadt, deshalb pflanzt die Stadt 2011 Bäume - und bittet alle Hamburger um finanzielle Unterstützung. Unter www.meinbaum-meine stadt.de sind alle Standorte, an denen Bäume nachgepflanzt werden können, verzeichnet. Wer seinen Wunschbaum gefunden hat, spendet eine Summe X, und wenn 500 Euro zusammengekommen sind, spendiert die Stadt den Rest und pflanzt – ein Baum inklusive Pflanzung kostet rund 1.000 Euro. Die Spenden werden von der Loki-Schmidt-Stiftung verwaltet, die Aktion endet im November 2011. pit
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1 Kommentar
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harras von Heilsperg aus Wilhelmsburg | 04.05.2012 | 12:53  
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