Wilhelmsburg aus Künstlersicht

Dorothee Halbrock (.) und Susanne Schick haben das Dockville Kunstcamp kuratiert. Bei der Installation „Krieg und Frieden“ des Hamburger Künstlerkollektives „Krautzungen“ müssen die Festivalbesucher mitmachen. Die beiden Künstler schreiben Textpassagen aus Tolstois gleichnamigem Roman auf die Körper der Besucher und fotografieren sie. Die entstandenen Bilder setzen sie im Internet zusammen und kreieren so ihren eigenen Foto-Roman. (Foto: as)

50 nationale und internationale Künstler arbeiten auf dem Dockville Kunstcamp: Eröffnungsparty am Donnerstag

von Anna Sosnowski

Noch knattern auf dem Gelände des Dockville Kunstcamps die Bohrmaschinen. Elf nationale und internationale Kollektive, insgesamt mehr als 50 Künstler, arbeiten hier an ihren Werken, die zwei Wochen vor Beginn des Open-Air-Festivals am Reiherstieg-Hauptdeich gezeigt werden. Am Donnerstag, 26. Juli, um 18 Uhr fällt der Startschuss für die Ausstellung unter freiem Himmel, doch auch dann muss nicht alles fertig sein. „Das Kunstcamp hat einen Prozesscharakter. „Es wird auch nach der Eröffnung weiter gearbeitet“, erklärt Dorothee Halbrock, eine der drei Kuratorinnen des Kunstcamps.
Im Rahmen ihrer Projekte haben sich einige der Künstler in Wilhelmsburg umgeschaut. Dusica Drazic ist von Schrebergarten zu Schrebergarten gewandert und hat dort um Pflanzen gebeten. Die Künstlerin aus Belgrad kam mit 17 Kübeln – darunter ein Lavendelbusch, Paprika und Zwiebeln – und vielen Eindrücken zurück. „Manche haben ihre Gärten schon seit über 50 Jahren und hatten viel zu erzählen“, berichtet Drazic begeistert. Die gesammelten Pflanzen stellt sie im „Nest“, einer begehbaren Holzkonstruktion, aus. Nach dem Festival bekommt das Grünzeug neue Besitzer. Wer Lust hat, gemeinsam mit der Künstlerin auf dem Fes-tivalgelände zu gärtnern, kann am Sonnabend, 28. Juli, um 17 Uhr zu ihrem Workshop kommen. Zusätzlich hat Drazic Wanderwege angelegt, die zu Aussichtstürmen führen, von denen die Besucher beobachten können, wie sich die Natur verändert, wenn das Festival beginnt.
Auch das Linzer Kollektiv „Schwemmland“ hat einen Blick auf den Stadtteil geworfen – und zwar vom Wasser aus. „Wir sind auf der Suche nach Alltagsphänomenen, die man sonst nicht zu sehen bekommt“, erzählt Christoph Wiesmayr. Dafür haben er und seine vier Mitstreiter zum Beispiel einen Schleusenwärter begleitet. Was sie im Rahmen der Feldforschung fotografisch und filmisch festgehalten haben, können Besucher in ihrer begehbaren Konstruktion „Volle Scholle“ krabbelnd erkunden. Wiesmayr: „Unsere Interviews, Fotos und Eindrücke von dem Gebiet werden in der Scholle konserviert, wie in einem Eisblock.“

Eröffnung mit Performance, Konzert und Party am Donnerstag, 26. Juli, ab 18 Uhr, Eintritt frei. Danach immer donnerstags und freitags ab 18 Uhr sowie sonnabends und sonntags ab 14 Uhr geöffnet, bis zum 5. August, Konzerte, Performances, Lesungen, Kinovorführungen und Work-shops, Eintritt je nach Veranstaltung frei oder drei bis acht Euro, Reiherstieg Hauptdeich
Programm: www.dockville.de
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