Warten auf Luis

Carsten Kühne zeigt, was von Jagdterrier Luis derzeit übrig bleibt: ein Foto und dessen EU-Heimtier- ausweis. Foto: Andreas Tsilis

Hundewelpe ohne Tollwutimpfung aus Kroatien nach
Wilhelmsburg gebracht – deshalb wurde er „sichergestellt“

Von Andreas Tsilis.
Seit Wochen schauen Stella Kühne (12) und ihre Schwester (3) auf den leeren Hundekorb mit der hellblauen Decke, in die sich Jagdterrier „Luis“ so gern einkuschelte. „Der Hund war mein Freund“, sagt Stella traurig. Am 1. September wurde Luis „wegen Tollwutgefährdung sichergestellt und dem Tierheim Süderstraße zugeführt“, wie es im Amtsdeutsch heißt. Ob die Zwölfjährige ihren Hund je wiederbekommt, soll sich am 16. Oktober entscheiden. Dann soll nach Impfung (23. September) und Quarantäne zweifelsfrei feststehen, ob von Luis keine Tollwutgefahr ausgeht.
Vater Carsten Kühne hatte den acht Wochen alten Jagdterrier vom Züchter aus dem Kroatien-Urlaub mitgebracht. Es gäbe mit dem Hund in Deutschland „keine Schwierigkeiten“, hätten der Züchter und ein
kroatischer Tierarzt bestätigt. Carsten Kühne: „Die Papiere waren in Ordnung.“

Schriftliche
Erklärung fehlte

Das Problem: Die erforderliche schriftliche Erklärung, dass der Welpe nur bei seinen Eltern lebte und nicht mit Wildtieren in Berührung kam, fehlt. Kühne vertraute auf die mündliche Äußerung des Züchters. Das reicht aber nicht. So brachte Carsten Kühne gutgläubig unerlaubt einen tollwutverdächtigen Hund ins Land.
Ein hier niedergelassener Tierarzt habe, so Kühne, erklärt, „die fehlende Tollwutimpfung sei kein Problem, die holen wir im Oktober nach“. Dann ließ er Kühne mit dem Hund ziehen, informierte aber das Veterinäramt über den Sachverhalt. Gegenüber dem Wochenblatt bestritt die Tierarztpraxis Kühnes Aussagen.
Vom Tierheim bekommt Carsten Kühne, der über 600 Euro für Kost, Logis und Tollwutspritze berappen soll, keine Auskunft über den Gesundheitszustand seines Hundes. Auch der Besuch des Hundes ist der Familie verboten. „Das würde unter anderem den Tierheimalltag stören“, sagt Norman Cordes, Pressesprecher des Bezirksamtes Mitte.
Wenn mit Luis alles in Ordnung ist, soll die Familie den schmerzlich vermissten Hund am 16. Oktober zurückbekommen.

Tollwut
Die Tollwut ist eine Virusinfektion, die – ohne Impfung – bei Tieren und Menschen eine fast immer tödliche Enzephalitis (Gehirnentzündung) verursacht. Deutschland gilt seit 2008 als tollwutfrei. Bei zwei illegal aus Kroatien und Bosnien eingeführten Hunden wurde 2008 sowie 2010 Tollwut festgestellt.
Hunde benötigen bei einem EU-Grenzübertritt einen ausreichenden Tollwutschutz. Junghunde dürfen erst ab der zwöften Lebenswoche gegen Tollwut geimpft werden. Zwischen der Impfung und dem Beginn ihrer Gültigkeit müssen immer drei
Wochen liegen. Welpen können deshalb frühestens nach der 15. Lebenswoche grenzüberschreitend reisen.
Im Bezirk Mitte wurden 2015 bisher 14 Hunde wegen Tollwutverdacht „sichergestellt“.
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