Wabernde Masse statt langweiliger Klinker

Die Zukunft ist grün: Das weltweit erste Haus mit einer Bioreaktorfassade aus blühenden Algen soll im März 2013 pünktlich zu internationalen Bauausstellung in leuchtendem Grün erstrahlen. Foto: pr

Sensationelles IBA-Projekt: In Wilhelmsburg entsteht weltweit das erste Haus mit einer Biofassade aus Algen

von Steffen Kozieraz

Wohnen hinter einer Fassade aus blühenden Algen? Was bisher den Romanfiguren aus Jules Vernes „20.000 Meilen unter dem Meer“ vorbehalten war, wird bald für 15 Wilhelmsburger Mieter zur Realität. Mit der Grundsteinlegung des weltweit ersten Hauses mit einer Bioreaktorfassade aus Algen erblüht das wohl experimentellste und grünste Projekt der internationalen Bauausstellung (IBA) zum Leben.
So funktionierts: In einer mit Wasser gefüllten Doppelglaswand schwimmen Mikroalgen, die – mit CO2 und Sonnenlicht gefüttert – Wärme produzieren, die das Haus beheizt. Da sich die Winzlinge fleißig vermehren, entsteht auch Biomasse zur Methangewinnung. Damit das fünf-
stöckige Passivhaus im Winter nicht auskühlt, kommt mit Fernwärme, Geothermie und Solarthermie gleich ein ganzer Cocktail grüner Energiegewinnung zum Einsatz.
Ist das die Technik der Zukunft? Oder angesichts der Hamburger Wohnungsknappheit bloß eine geldverschlingende Forscher-Spielwiese ohne konkreten Nutzen? Bausenatorin Jutta Blankau zeigte sich begeis-tert: „Wir feiern hier einen Bau, der Wilhelmsburg noch attraktiver macht!“ Für nachhaltiges, qualitatives Wachstum brauche Hamburg Konzepte, die Klimaschutz mit sozialem Wohnraum vereinbaren, so die Senatorin. Doch wie bezahlbar ist das Algenhaus wirklich? Für Bauunternehmer Stefan Wulff von der Otto Wulff GmbH, die das Algenhaus zusammen mit der SSC GmbH für vier Millionen Euro errichtet, macht das Projekt ökonomisch Sinn. „Der Bau ist rentabel, weil wir Fördermittel bekommen. Die Mieten liegen zwischen 10 und 13 Euro,“ so Wulff.
Algen-Fachmann Dr. Martin Kerner von der SSC GmbH stellt klar: „Die Kosten für dieses Haus sind astronomisch.“ Der Quadratmeterpreis der Bioreaktorfassade liege bei 3.000 Euro, doppelt so teuer wie Fotovoltaik. Doch im Gegensatz zu Solarzellen soll die lebende Biofassade hübsch anzuschauen sein. Die Masse wabert ständig umher und variiert die Grüntöne. Das kommt offenbar an: Die Telekom soll für ihr Gebäude an der Budapester Straße schon nach 500 Quadratmeter Algenfassade gefragt haben.
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