Vorne einsteigen: Das nervt!

Riza Boyali hat nichts dagegen, vorne einzusteigen und seinen Fahrschein zu zeigen – obwohl er neuerdings einen Bus früher nehmen muss, um die Verspätungen auszugleichen. (Foto: sk)

Seit 5. März gilt in Bussen die neue Regelung – Fahrgäste der ständig überfüllten Linie 13 fordern Sonderregelung

von Steffen Kozieraz

Am Startpunkt der Buslinie 13 vor dem S-Bahnhof Veddel drängen sich die Menschen, um in den Bus nach Wilhelmsburg zu steigen. Seit dem 5. März staut es sich ausschließlich an der vorderen Bustür, denn es gilt nun in ganz Hamburg das neue Kontrollsystem „Einstieg vorn“. Mit Ausnahme von Rollstuhlfahrern und Kinderwagen müssen alle Fahrgäste vorne mit gezücktem Ticket einsteigen. Wie gut funktioniert das auf der chronisch überfüllten Linie 13?
Einige junge Männer versuchen es trotz neuer Vorschrift an der Hintertür, werden aber vom Servicepersonal des HVV auf den vorderen Eingang verwiesen. Busfahrer Michael Atolagbe meint: „Gerade auf der Linie 13 ist es schwierig, weil es immer sehr voll ist. Und die Fahrgäste haben das neue Sys-tem auch noch nicht richtig kapiert.“ Auf jeden Fall verkaufe er aber jetzt mehr
Tickets als vorher.
Laut HVV-Sprecherin Gisela Becker rechnet der Verkehrsverbund mit sechs Millionen Euro Mehreinnahmen aufgrund des neuen Kontrollsystems. Busfahrer Wolfgang Koch befürwortet den Einstieg vorn. „Auch wenn es für mich Mehrarbeit bedeutet.“ Er glaubt, dass es mit der Zeit reibungsfreier laufen wird. Doch heute muss er seine Pause vorzeitig beenden und mit seinem Bus drei Minuten früher an den Startpunkt rollen, weil der Einstieg länger dauert. Er dauert sogar viel länger. Mit drei Minuten Verspätung fährt er ab.
Fahrgast Marcus Engländer, der mehrmals täglich mit der 13 zur Arbeit fährt, schüttelt den Kopf: „Ich muss jetzt jedes Mal einen oder besser zwei Busse früher nehmen.“ Er habe nichts gegen das neue Kontrollsystem, aber auf dieser Linie sei es in den Stoßzeiten oft so voll, dass nicht alle Wartenden in den Bus hineinpassen. Dazu kämen die vielen Kinderwagen. „Man sollte diese Linie von der Regelung ausnehmen! So wie man es auch bei den Metrobussen 4, 5 und 6 macht,“ findet Engländer. Auch seine Sitznachbarin glaubt nicht, dass der „Einstieg vorn“ auf dieser Linie gut funktionieren wird.
Eine Ausnahme der Linie 13 von der Regelung bezeichnet HVV-Sprecherin Becker allerdings als „äußerst unwahrscheinlich“. Sie gehe davon aus, dass es auch hier nach der Eingewöhnungsphase besser klappen wird. Becker: „Das haben die Erfahrung auf den ähnlich stark frequentierten Metrobuslinien 12 und 14 in Harburg und Bergedorf gezeigt.“ Dort gilt das neue Kontrollsystem bereits seit einem Jahr auf allen Buslinien.
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1 Kommentar
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Helga Arp aus Wilhelmsburg | 16.03.2012 | 16:57  
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