Verwaltung: Das wars mit Bürgernähe

Die Grundsicherungs- und Sozialabteilung im Rathaus wird Mitte Januar geschlossen. Einer der Gründe: Das Jobcenter braucht mehr Platz.

Wilhelmsburger Grundsicherungs- und Sozialabteilung wird geschlossen –
AWO kritisiert Umzug in die Innenstadt: „Ältere haben das Nachsehen!“

Wer sich in Zukunft über Altenpflege, Haushaltshilfen oder Essen auf Rädern informieren will oder Fragen zur Grundsicherung hat, sucht auf der Elbinsel vergeblich nach einem Ansprechpartner: Mitte Januar wird die Grundsicherungs- und Sozialabteilung im Wilhelmsburger Rathaus geschlossen. Die Dienststelle zieht ins Bezirksamt Mitte in die Kurt-Schumacher-Allee 4. „Schön zentral“, heißt es aus der Behörde. „Überhaupt nicht mehr bürgernah“, wird dagegen vor Ort kritisiert.
Fred Pattschull, örtlicher AWO-Vorsitzender, ist sauer. „Der Umzug trifft vor allem Ältere und Menschen mit Behinderungen, die nun weite Wege auf sich nehmen müssen, wenn sie Hilfe und Beratung brauchen.“ Für einen Stadtteil mit 50.000 Einwohnern ein Armutszeugnis, findet er. „Das Schlagwort ‘bürgernahe Verwaltung’ gilt hier wohl nichts mehr!“
Was ihn besonders ärgert: Der Umzug der Dienststelle wird unter anderem damit begründet, dass das ebenfalls im Rathaus ansässige Jobcenter mehr Platz braucht. Pattschull: „Nun kann man sich fragen, wer mobiler ist – jemand, der Arbeitslosengeld II bezieht oder Oma Meier, die Fragen zur Grundsicherung hat.“
Im Bezirksamt Mitte kann man die Aufregung nicht nachvollziehen. „Der neue Standort ist mit dem Bus gut und schnell zu erreichen“, sagt Bezirksamtssprecherin Sorina Weiland. Zudem spare eine zentrale Dienststelle Mietkosten und sei effektiver zu organisieren. „Bei Ausfällen kann man den Betrieb besser am Laufen halten“, so Weiland und erinnert an die kleine Dienststelle in Finkenwerder, die früher bei Personalengpässen schon mal schließen musste.
Zudem würden auch in Zukunft Hausbesuche möglich sein, und eine Seniorenberatung vor Ort soll weiterhin angeboten werden. Weiland: „Wir suchen bereits nach Räumen.“
Die SPD-Bezirksabgeordnete Anja Keuchel zeigt Verständnis für den Unmut, den der Umzug zunächst auslösen wird. „Das ist für die Betroffenen erstmal hart“, räumt sie ein. Doch man müsse auch ans Geld denken. „Wenn das Jobcenter aus Platzmangel ausziehen würde, hätten wir Leerstand im Rathaus“, mahnt sie. „Und wer soll das bezahlen?“

Jobcenter Wilhelmsburg braucht Platz
Alle Hamburger Fachämter Grundsicherung und Soziales werden Stück für Stück aus den Stadtteilen heraus an den zentralen Standort in der Kurt-Schumacher-Allee 4 verlegt. Der Grund: die Organisation wird auf diese Weise effektiver, Mietkosten können eingespart werden. In Wilhelmsburg kommt ein weiterer, gewichtiger Grund hinzu: Das im gleichen Hause befindliche Jobcenter braucht dringend Platz. „Das Jobcenter team.arbeit.hamburg ist am Standort Wilhelmsburg überaus beengt untergebracht“, erklärt Jobcenter-Sprecherin Beate Chmielewski. Zurzeit sind 86 Mitarbeiter für insgesamt 11.053 Kunden zuständig. Ob weiteres Personal hinzukommt, steht noch nicht fest.
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1 Kommentar
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Lothar Jakob aus Wilhelmsburg | 21.11.2012 | 11:42  
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