Vermieter lässt Haus verkommen

Peter Hein (l.) und Sven Tarkhani fordern, dass ihr Vermieter die notwendigen Arbeiten im Haus erledigt. „Wir verlangen ja keinen Luxus, aber so geht das nicht“, sagt Tarkhani.

Mieter aus dem Phoenix-Viertel beschweren sich: „Wir werden rausgemobbt!“

anna Sosnowski, Harburg

Von den Wänden blättert Farbe ab, tiefe Risse durchziehen die Fassade des Mehrfamilienhauses in der Lassallestraße 35-41. Der Altbau von 1937 macht einen baufälligen Eindruck. „Dabei ist es ein so schönes Haus. Aber wenn das so weiter geht, ist es in fünf bis zehn Jahren abbruchreif“, sagt Peter Hein. Der Harburger und sein Nachbar Sven Tarkhani sind wütend auf ihren Vermieter. „Der macht gar nichts. Egal, wie oft wir uns beschweren“, klagt Tarkhani.
Der 33-Jährige lebt seit sechs Jahren in dem Haus, das vor rund zwei Jahren seinen Besitzer gewechselt hat. „Letztes Jahr vor Weihnachten haben sie angekündigt, Arbeiten im Haus zu machen. Bisher ist noch nichts passiert“, berichtet er. Tarkhani hat einen dicken Ordner mit Briefen, kommuniziert nur noch über den Mieterverein mit der beauftragten Hausverwaltung Gencon GmbH. Er klagt über undichte Fenster und schlecht isolierte Wände. Trotz Heizung werde es im Winter nicht warm. Seit Monaten fehlt eine Glasscheibe in seiner Eingangstür, im Treppenhaus ist ein Fenster so morsch und kaputt, dass ungehindert kalte Luft eindringt. „Es besteht ein erheblicher gesundheitsgefährdender Mangel vor Ort“, sagt Stefan Schmalfeldt vom Mieterverein zu Hamburg.
Weil der Eigentümer die Mängel nicht beheben lässt, bliebe dem Mieter nur noch, das Amt für Wohnungspflege einzuschalten und auf Instandsetzung zu klagen. „Die wollen mich rausmobben! Sie hoffen, dass ich einknicke und abhaue, damit sie hier sanieren und teuer vermieten können“, sagt Tarkhani wütend.

„Wir können keinen
Eigentümer zwingen“


Der gebürtige Harburger will nicht wegziehen. Er lebt gerne im Phoenix-Viertel, auch wenn es keinen guten Ruf hat. „Hier kennt man sich, die Nachbarschaft ist gut“, sagt er. Nur auf die Steg, die seit zehn Jahren den sanierungsbedürftigen Stadtteil aufmöbelt, ist er nicht gut zu sprechen. „Was haben die schon gemacht? Außer viel Geld für „I love Phoenix Viertel“-Aufkleber auszugeben“, schimpft er. In seinem Haus sei zumindest nichts besser geworden.
Eike Christian Appeldorn von der steg will den Vorwurf nicht auf sich sitzen lassen, schließlich sei jedes dritte Haus im Viertel modernisiert worden. „Wir können aber keinen Eigentümer dazu zwingen“, sagt er. Auch mit Tarkhanis Vermieter habe es Gespräche gegeben. Er lehne es ab, sich vertraglich zu verpflichten und plane das Haus Wohnung für Wohnung zu erneuern. „Nichtsdestotrotz ist der Vermieter verpflichtet, Mängel instand zu setzen“, betont Appeldorn.


Das sagt die Verwaltung:
Die Gencon GmbH verwaltet das Mehrfamilienhauses in der Lassallestraße 35-41 für den jetzigen Eigentümer Wal Harburg GmbH. Die Vorwürfe der Mieter kann man bei Gencon nicht nachvollziehen. „Der jetzige Eigentümer hat die Immobilie erst seit circa 1,5 Jahren in seinem Besitz. Und der Voreigentümer war wohl nicht bereit mehr als die Mieteinnahmen zu investieren. Dennoch sind bereits vor Eigentümerwechsel alle notwendigen Reparaturen sowie der Einbau einer hochwertigen, effizienteren und leistungsfähigeren Heizanlage durchgeführt worden“, schreibt Katja Krecker von Gencon auf Wochenblatt-Nachfrage. Weiterhin würden das Haus und die Wohnungen kontinuierlich sehr aufwendig saniert. Zu konkreten Mängeln nimmt man jedoch keine Stellung. Nur so viel: Den Schaden an seiner Wohnungstür müsse Sven Tarkhani selbst beheben, weil er ihn verursacht habe, so Krecker.
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1 Kommentar
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Andreas Steffes aus Harburg | 21.01.2015 | 16:26  
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