Unbekannte klauen Tänzerinnen

Renate Nicklisch und ihr Mann Uwe Schulze vermissen die „Tänzerinnen“. „Ich fand die Skulptur einfach schön. Sie ist eine Belebung für die Ecke gewesen“, sagt Nicklisch.

Bronzeskulptur stand über 40 Jahre lang vor einem Saga-Haus in der Prassekstraße

Renate Nicklisch geht gerne in der Nachbarschaft spazieren. Besonders die Skulpturen vor den Häusern rund um ihre Wohnung im Schwentnerring sind der Wilhelmsburgerin ans Herz gewachsen. „Sie wurden in den 60ern aufgestellt“, erzählt die 70-Jährige. „Ich finde sie
lockern das Wohngebiet auf. Ein bisschen Kunst kann Wilhelmsburg vertragen.“ Um so trauriger war Nicklisch, als sie vor einem Haus in der Prassekstraße einen leeren Sockel entdeckte. „Wo sind die Tänzerinnen hin?“, fragte sich die Wilhelmsburgerin entgeistert. „Die hat bestimmt jemand geklaut“, ist sich ihr Mann Uwe Schulze sicher und zeigt auf die beschädigten Schrauben im Sockel. „Es sieht aus, als ob sie mit Gewalt rausgebrochen wurden.“
Kerstin Matzen, Sprecherin der Saga/GWG, der die Skulptur gehört, bestätigt den Diebstahl. „Wir haben ihn im Oktober der Polizei gemeldet“, sagt sie. Hoffnung, dass die Bronze-Figur wiedergefunden wird, hat sie keine. Sie vermutet, dass das Kunstwerk längst eingeschmolzen wurde. „Es werden sogar Regenrinnen geklaut. Mit Bronze und Kupfer kann man Geld verdienen“, sagt Matzen. In welcher Form die Figur ersetzt werden könnte, stehe noch nicht fest, so die Sprecherin weiter. Aber irgendeine Form von Kunst am Bau werde es an der Stelle geben.
Eine weitere Skulptur, die Renate Nicklisch schon vermisst hat, wird auf jeden Fall wieder aufgestellt. „Sich bückende Frau“ (1967) von Hans Joachim Friedlinghaus wurde im Zuge der Bauarbeiten zur neuen Saga-Seniorenwohnanlage im Schwentnerring abgebaut. „Sie muss jetzt erst mal restauriert werden“, erklärt Matzen. Zudem plant die Saga, langfristig alle Skulpturen vor ihren Häusern mit Info-Tafeln zu den Künstlern zu versehen. Die meisten der Skulpturen sind in den 60ern und 70ern aufgestellt worden. Damals waren sie Teil des Programms „Kunst am Bau“, bei dem ein kleiner Teil der Bausumme von Neubauten in Kunstwerke für den öffentlichen Raum investiert wurde.
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