Ulfert Sterz verlässt die Veddel

Die Menschen auf der Veddel lassen Ulfert Sterz nicht gerne gehen. Sie haben Unterschriften dafür gesammelt, seine Stelle zu erhalten, doch das ist nicht möglich, weil die Gemeinde zu wenig Mitglieder hat.

Immanuelkirche: Zu wenig Gemeindemitglieder, Pastorenstelle gestrichen

Die evangelische Gemeinde auf der Veddel hat zu wenig Mitglieder für eine eigene Pfarrstelle. „756 reichen einfach nicht. Auch für eine halbe Stelle wie meine, müssten es mindes-tens 1.300 sein“, erklärt Pastor Ulfert Sterz. Der 48-Jährige hat bis Ende März 2015 Zeit, sich einen neuen Job zu suchen. Spätestens dann wird Pastorin Cornelia Blum von der Kirchengemeinde St. Thomas in Rothenburgsort zusätzlich die Leitung der Veddeler Gemeinde übernehmen.
Sterz kam im April 2011auf die Veddel und sah sich mit der Not und Armut der Menschen vor Ort konfrontiert. Etwa die Hälfte der rund 5.000 Inselbewohner leben von staatlicher Unterstützung, 70 Prozent haben ausländische Wurzeln.
Weil nur eine Handvoll Menschen zum Gottesdienst kam, versuchte der Pastor sie durch andere Angebote in die Kirche zu holen. Er baute Jugendgruppen auf, etablierte einen Kinoclub, eine Musikkirche und ein Sonntagsfrühstück und verwandelte die Immanuelkirche in eine Art Kulturzentrum.
Zuletzt ging Sterz eine Kooperation mit dem Deutschen Schauspielhaus ein, dessen Kulturprojekt „New Hamburg“ seinen Mittelpunkt in dem Veddeler Gotteshaus gefunden hat. Hierfür hat die Gemeinde das Innere der Kirche umgestaltet, alle Bänke entfernt und Teppiche verlegt, damit sie als Veranstaltungsraum genutzt werden kann. In den Gemeindesaal ist das Café „Diakonistanbul“ eingezogen, das jeden Freitag von 15 bis 21 Uhr geöffnet ist.
Um all diese Angebote wird sich zukünftig Diakonin Uschi Hoffmann kümmern, die im Januar diesen Jahres aus Neugraben auf die Veddel wechselte und mindestens fünf Jahre bleiben wird. „Das ist eine gute Lösung“, sagt Sterz. Dennoch ist er traurig, die Gemeinde bald verlassen zu müssen. „Ich hätte gerne weiter gemacht. Die Arbeit macht mir sehr viel Freude“, sagt er.
Sterz und seine Familie werden noch im August nach Eimsbüttel umziehen. Dort hat seine Frau, die ebenfalls Pastorin ist, eine Pfarrstelle bekommen. „Wir gehen nicht gerne“, sagt der Pastor. „Die Möglichkeiten gemeinsam mit den Menschen vor Ort etwas zu bewegen und zu gestalten, sind schon toll. Wenn ich zurückschaue was in den vergangenen Jahren entstanden ist, hätte ich das vorher nicht gedacht.“
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