Trotz Deichruhe: HPA arbeitet am Deich

Die mit Sand gefüllten Bigbags stehen auf der Schutzlinie zwischen den beiden Schleusen. Links im Hintergrund ist ein Hubtor der Neuen zu sehen. Foto: ad

Deicharbeiten mitten in der Sturmflutsaison ängstigen Anwohner

Von Angela Dietz

Es gibt wohl kaum ein sensibleres Thema in Wilhelmsburg als den Hochwasserschutz. Im Herbst wurde die neue Schleuse zwischen Spreehafen und Ernst-August-Kanal in Betrieb genommen, zurzeit lässt die Hamburg Port Authority (HPA) die alte Schleuse abbrechen. Das ängstigt und erbost die Elbinsulaner. Ihr Vorwurf: HPA greife ausgerechnet in der Sturmflutsaison in den Deich ein. Das sei verboten und gefährde die Sicherheit der Bürger.
„HPA gefährdet die Deichsicherheit gleich an drei Stellen“, kritisiert Jörg v. Prondzinski. Zwischen der neuen und der alten Schleuse seien mit Sand gefüllte Bigbags aufgestellt worden, für ihn ein Hinweis auf fehlende Sicherheit. Zweitens: An der alten Schleuse sei das Innenhaupt der alten Schleuse, also die Innenseite zum Kanal hin, fast vollständig abgebrochen worden, gleichzeitig sei der Deich selbst auf beiden Seiten abgebaggert und wieder aufgeschüttet worden. Hinzu komme, dass laut Gesetz Arbeiten an Hochwasserschutzbauten während der so genannten Deichruhe untersagt seien.
HPA wehrt sich vehement gegen die Vorwürfe. Für die Arbeiten gebe es selbstverständlich eine Genehmigung, versichert HPA-Sprecher Alexander Schwertner. Vor Abbruch der alten Schleuse sei zudem das äußere Tor zum Reiherstieg festgestellt worden. „Das Tor wirkt so wie eine Flutschutzwand“, erläutert Schwertner. Die Bigbags zwischen den Schleusen sorgten nur für zusätzliche Sicherheit. Am Reiherstieghauptdeich sei die oberste Kleischicht zehn bis 20 Zentimeter abgetragen worden. „Es besteht dort trotzdem keine Gefahr“, versichert der HPA-Sprecher. Der Deich sei sechsmal so breit wie ein normaler, das Straßenniveau liege auf der derzeit gültigen Hochwasserschutzlinie. Im Falle einer extremen Sturmflutvorhersage werde der Deich mit einem Extra-Fließ abgedeckt.
Anwohner Prondzinski hält die Aussagen der HPA nicht für glaubwürdig. Kürzlich sei Wasser durch die halbabgebrochene Schleuse von außen eingedrungen. Tatsächlich ist das äußere Tor nicht mehr vollkommen dicht, laut HPA sei das aber nichts Neues. „Die Wassermengen stellen keinerlei Risiko für die Hochwassersicherheit dar“, so Schwertner, „sie verteilen sich auf der Fläche des Kanalsystems in Wilhelmsburg.“
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