Trist: Einkaufen in Wilhelmsburgs Mitte

Kahle Fläche: Demnächst verwandelt sich der Berta-Kröger-Platz in eine große Baustelle. Foto: cvs

2012 wird zum Baustellenjahr – WEZ-Händler beklagen Umsatzflaute

von Christopher v. Savigny

Der Wind weht ein paar liegengebliebene Blätter über den kahlen Berta-Kröger-Platz. Wo bis vor einigen Wochen noch 30 stattliche Sumpfeichen wuchsen, sieht man jetzt nur noch Baumstümpfe. Fast alle Geschäfte in den Pavillons haben endgültig dichtgemacht – nur ein Schreibwarenladen, eine Apotheke und eine Bäckerei halten die Stellung.
„Seit Beginn der Bauarbeiten haben wir immer weniger Kunden“, sagt Erdem Yildiz, Mitarbeiter der „Nur Hier“-Filiale gegenüber des S-Bahnhofs. Demnächst will die Bäckerei in einen der bereitgestellten Container auf der Südseite des Platzes umziehen – in ein abseits gelegenes Stück Fußgängerzone, das als Stadtstreicher- und Trinkertreff verschrien ist. „Dort wird der Umsatz vielleicht noch schlechter ausfallen“, befürchtet Yildiz.
Derzeit gleicht der Platz rund um das Wilhelmsburger Einkaufszentrum (WEZ) einer Geisterstadt: Bis Ende des Jahres will das Bezirksamt die Marktfläche neu pflastern lassen und mit Sitz- und Spielelementen ausstatten. Auch neue Bäume sind geplant. Vor wenigen Monaten hatte WEZ-Investor Jürgen Schneider sein Sanierungskonzept für den Berta-Kröger-Platz vorgestellt. Danach kommen die Pavillons weg, dafür wird das WEZ mit einer „Mantelbebauung“ vergrößert.
Mit dem Zeitplan – angedacht war Anfang 2012 als Abrissdatum – hinkt der Bauherr etwas hinterher. „Wir sind gerade dabei, die Pavillons von Schadstoffen zu befreien“, erklärt Schneider. „Am 16. März geht der letzte Mieter raus, anschließend wird abgerissen.“
Zu Jahresbeginn 2013 soll das neue WEZ fertig sein – frühestens. Die meisten Geschäftsleute haben Mietverträge über zwei Jahre für die Containernutzung abgeschlossen. Auch Dinh Ke Pham, Inhaber des Restaurants „Asia Home“, klagt über Kundenmangel: „Es wird eine Weile dauern, bis die Leute wissen, wo wir jetzt sind“, sagt er. Als direkten Nachbarn hat Pham neuerdings die Drogerie Rossmann, die Post ist dagegen auf die andere Seite umgezogen – ebenfalls in einen Container.
Und: Nach der Schließung des Eiscafés Venezia wünschen sich die Wilhelmsburger wieder einen Gastrobetrieb mit Möglichkeit zum draußen sitzen. „Das wäre schon nicht schlecht“, sagt Anwohnerin Ursula Lambrecht.
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