Trinkerszene soll umziehen

„Franky“ (l.) und Mario wissen, dass ihr Treffpunkt bald zur Baustelle wird – laut Bezirksamt im Sommer nächs-ten Jahres. „Wo sollen wir dann hin?“, fragt Mario. (Foto: cvs)

Berta-Kröger-Platz: Ärger über Lärm und Wildpinkler – Sanierungsbeirat plant Unterstand mit Toilette

von Christopher v. Savigny

Mario trifft sich gerne mit seinen Leuten am Berta-Kröger-Platz. „Wir fühlen uns wohl hier“, sagt er. Der junge Mann gehört zu einer Gruppe, die täglich in der Einkaufspassage anzutreffen ist. Man unterhält sich, trinkt Bier. „Einige halten uns vielleicht für Penner“, sagt Mario. „Aber das stimmt nicht: Wir haben ein Zuhause, ich selbst bin berufstätig.“
Doch nicht allen gefällt der Anblick der zuweilen bis zu 25 Mann starken Truppe, die es sich auf den Bänken neben dem Baustellenzaun bequem macht. Durch den Umbau des Platzes rückt das Problem jetzt noch mehr in den Fokus – die Fußgängerpassage ist bis auf wenige Meter Breite zusammengeschrumpft. „Anwohner haben sich über Lärm und über Wildpinkler beschwert“, berichtet Susanne Schreck, Mitarbeiterin beim Sanierungsträger plankontor und Mitglied im Sanierungsbeirat. Die Situation habe das Unwohlsein in der Bevölkerung verstärkt.
Möglicherweise würde ein Unterstand mit Toilette Abhilfe schaffen. Vorbild ist eine Einrichtung in Kiel: Nahe der Innenstadt existiert dort seit neun Jahren ein Trinkerraum – sogar mit angeschlossenem Café, das von der örtlichen Obdachlosenzeitung getragen wird. Werktags zwischen 9 und 15 Uhr darf man sich dort aufhalten und sogar Alkohol konsumieren, allerdings nichts Hochprozentiges. Das Projekt ist nach Auskunft der Stadtverwaltung erfolgreich.
Als Standort favorisiert der Sanierungsbeirat die gegenüberliegende Seite des Einkaufszentrums – dort, wo jetzt der Postcontainer steht. Die Betroffenen wären damit einverstanden. „Für uns wäre das okay“, sagt Mario. Das Problem: Dem zuständigen Bezirk fehlt es an Geld. Zudem ist man noch nicht vom Nutzen der Sache überzeugt. „Es ist gar nicht gesagt, ob eine Toilette dort angenommen wird“, sagt Angela Hellenbach vom Fachamt für Stadt- und Landschaftsplanung. Außerdem müsse für eine regelmäßige Reinigung gesorgt sein.
Der Sanierungsbeirat will den Standort jetzt auf seine Eignung prüfen. Pläne für Trinkerräume liegen im Übrigen schon länger in den Schubladen vieler Hamburger Bezirke. „Derzeit ist aber nichts Konkretes geplant“, sagt Sorina Weiland, Sprecherin des Bezirksamts Mitte.
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Lothar Jakob aus Wilhelmsburg | 02.10.2012 | 17:11  
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