Trickdiebe beklauen 83-Jährige

Hildegard Werth (83) ist hellwach im Kopf. Trotzdem konnten Trick-diebe sie überlisten. „Ich hätte nicht gedacht, dass mir das passiert“, sagt sie.

Polizei warnt vor „Eurowechslern“: Opfer sind meistens Ältere

Diesen Vormittag wird Hildegard Werth so schnell nicht vergessen: Auf dem Weg zum Einkaufen wurde die 83-Jährige vorm Penny-Markt von einem jungen Paar angesprochen. „Die brauchten Wechselgeld für den Einkaufswagen“, erinnert sie sich. Als sie hilfsbereit das Portemonnaie zückte, wühlte der Mann bereits mit den Fingern im Kleingeldfach. „Lassen Sie das!“, schimpfte die Rentnerin. Doch da war es bereits zu spät.
Die Kirchdorferin war an zwei Trickdiebe geraten. Als der Mann vorgab, nach Kleingeld zu gucken, zockte er in Wirklichkeit 185 Euro aus der Geldbörse – zunächst ohne dass Hildegard Werth es bemerkte. „Aber dann hatte ich so ein komisches Gefühl“, sagt sie. Sie überprüfte das Scheinefach – leer! Als sie um Hilfe rief, kam der Mann noch einmal zurück und schlug ihr brutal gegen den Kopf. „Das wäre nicht nötig gewesen, er hatte doch das Geld“, sagt sie.
Drei Streifenwagen fahndeten nach den Tätern. Vergeb-lich! „Leider ist Frau Werth erst nach Hause, bevor sie die Polizei rief, da verging wertvolle Zeit“, bedauert Hauptkommissar Gerd Wilke. Die weiteren Untersuchungen hat nun das Ermittlungskommissariat 63 übernommen, Abteilung Trickdiebstahl. Dort ist die Masche altbekannt: Es handelt sich um einen Taschendiebstahl mit dem besonderen Modus Operandi „Eurowechsler“.
„Die Täter bitten um Kleingeld zum Telefonieren oder für den Einkaufswagen, helfen beim Suchen im Münzfach und ziehen dabei heimlich ge-
schickt die Geldscheine“, erläutert Polizeisprecher Andreas Schöpflin. Angesprochen würden meist ältere Menschen, die Täter kämen durchweg aus Rumänien.
Im gesamten Stadtgebiet wurden 2012 bislang 40 solcher Fälle mit einem Gesamtschaden von knapp 9.000 Euro re-
gistriert, drei davon in Wilhelmsburg. Bislang wurden kaum Fälle aufgeklärt. „Dies gestaltet sich als schwierig, da keine Brennpunkte erkennbar sind“, so der Polizeisprecher. Außerdem bemerkten die Opfer den Diebstahl oft erst spät und würden die Täter selten wiedererkennen. Die Polizei geht von einer relativ hohen Dunkelziffer aus. Schöpflin: „Viele gehen aus Scham oder Ärger über die eigene Unzulänglichkeit nicht zur Polizei.“ Auch Hildegard Werth ärgert sich, hat aber bewusst Anzeige erstattet. „Ich will andere warnen!“, betont sie.
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