Tote müssen warten

Keine Beerdigungen zwischen den Jahren: „Wie soll ich das den Angehörigen beibringen?“, fragt Jörn Kempinski (Bestattungen Lehmann).

Amt schließt Friedhöfe zwischen den Jahren – Bestatter empört

von Christopher v. Savigny

Die Nachricht war ebenso kurz wie kommentarlos: „In der Zeit vom 23. Dezember 2013 bis zum 3. Januar 2014 bleiben die Friedhofsverwaltung und die Friedhöfe Finkenriek und Amtshof geschlossen“, hieß es in einem Brief, den das Wilhelmsburger Bestattungsunternehmen Lehmann kürzlich vom Bezirksamt erhielt. „Ohne irgendeine Erklärung!“ Mitinhaber Jörn Kempinski schüttelt den Kopf. „Ein Friedhof ist kein Ort, den man mal eben so zu macht“, ärgert er sich. „Was soll ich denn den Angehörigen sagen?“
Dabei ist es nicht einmal das erste Mal, dass die beiden Elbinsel-Friedhöfe von der Behörde dicht gemacht werden: Schon im vergangenen Jahr hatte es den gleichen Erlass gegeben, von dem neben der Firma Lehmann ein weiterer Wilhelmsburger Bestatter betroffen war. Auch hier der gleiche Zeitraum. Im Klartext bedeutet das rund 14 Tage, in denen kein Toter beerdigt werden kann. Mindestens: „Weil wir weder ein Grab aussuchen noch eine Anzeige machen können, kann es sogar bis zu vier Wochen dauern“, berichtet Kempinski. Das sei vor allem schlimm für Freunde und Verwandte, die von dem Verstorbenen Abschied nehmen wollten.
Letztes Jahr hatte das Bezirksamt immerhin einen Telefondienst zur Terminabsprache eingerichtet – dieses Jahr fällt er weg. „Es gab in dem Zeitraum nur zwei Anrufe“, erläutert Sorina Weiland, Sprecherin des Bezirksamts Mitte, die Einsparung. Und warum die Schließung? „In dieser Zeit sollen die Mitarbeiter ihre Überstunden abbauen“, erklärt die Sprecherin. Der Abschnitt zwischen den Jahren eigne sich dafür besonders gut, da „Beerdigungen in dieser Zeit nicht üblich“ seien.
Die Sparmaßnahmen der Verwaltung gehen den Bestattern mittlerweile mächtig auf den Keks: Auch mit der Pflege der Friedhöfe stehe es nicht zum
Besten. „Dabei zahlen die Angehörigen bei der Beisetzung schon die Pflege für die nächsten 25 Jahre mit“, sagt Kempinski. Früher seien sieben Angestellte für die Grünpflege verantwortlich gewesen. Nach eigenen Angaben stehen dem Bezirksamt für die Pflege der Wilhelmsburger Friedhöfe derzeit noch 3,5 Gärtnerstellen zur Verfügung.
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