Tief in der Schublade versenkt

Die Nass- und Feuchtwiesen im Wilhelmsburger Osten bieten im Zusammenhang mit den Gräben zahlreichen Vögeln, Amphibien, Fischen und Insekten einen wertvollen Lebensraum.

Landschaftsschutzgebiet Wilhelmsburger Elbinsel: BUND: Senatskanzlei blockiert – Umweltbehörde widerspricht

Rund 740 Hektar im Wilhelmsburger Osten sollen als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen werden. Diese Nachricht sorgte im vergangenen Jahr für große Freude bei den Naturschützern, bei anderen, die auf Wohnungsbau gehofft hatten, für lange Gesichter. Doch obwohl die breit abgestimmte Schutzgebietsverordnung längst fertig in der Schublade liegt, tut sich nichts. „Die Senatskanzlei blockiert!“, poltert jetzt Manfred Braasch, Chef des Naturschutzbunds BUND.
Warum lässt die Bestätigung des Senats so lange auf sich warten? Umweltsenatorin Jutta Blankau hatte noch im Januar zugesichert, die Pläne zur Eröffnung der Gartenschau umzusetzen. Das ist nicht geschehen. „Offenbar bremst jetzt die Senatskanzlei aufgrund von Wohnungsbauprojekten oder neuen Logistik-
ansiedlungen die Schutzgebietsausweisung aus“, unkt Braasch. Die Verordnung sei mühsam mit allen Ressorts abgestimmt worden und müsse nun endlich umgesetzt werden, so der BUND-Geschäftsführer.
Auch der Botanische Verein zu Hamburg mahnt die Umsetzung des lange versprochenen Landschaftschutzes an. „Warum setzt sich die für Umwelt- und Naturschutz zuständige Senatorin nicht durch?“, wundert sich der Vorsitzende Horst Bertram. Offenbar gebe es einflussreiche Kreise in der Wirtschaftsbehörde bis hinein in die Senatskanzlei, die immer wieder neue Bedenken erfinden, obwohl die Fristen dafür längst abgelaufen seien.
In der Senatskanzlei will man dazu nichts sagen, verweist stattdessen an die Umweltbehörde. Deren Sprecherin Kerstin Graupner stellt klar: „Es gibt keine Verzögerungstaktik der Senatskanzlei!“ Allerdings räumt sie ein, dass das Verfahren länger gedauert hat als ursprünglich geplant. Durch den Umzug der Behörde nach Wilhelmsburg sei es zu Verzögerungen gekommen. Graupner: „Die Druckvorlage geht wahrscheinlich noch in diesem Monat durch den Senat.“

Das geplante Schutzgebiet östlich der A1 zeichnet sich durch eine wertvolle Kulturlandschaft und eine große Artenvielfalt mit 55 in Hamburg und teils bundesweit gefährdeten Pflanzen. Insbesondere das Vorkommen von neun in Hamburg stark gefährdeten Arten, darunter Fieberklee und Krebsschere, verdeutlichen die hohe Schutzwürdigkeit der Biotope. Besonders hervorzuheben seien laut BUND die „Klappertopfwiesen“. Der Große Klappertopf war Blume des Jahres 2005 und zeigt altes, extensiv genutztes Feuchtgrünland an.
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