Täglicher Kampf gegen das Elend

Pastor Ulfert Sterz bietet seinen Schäfchen Nächstenliebe, Essen, Trinken und Kleidung. (Foto: sd)

Hochmotiviert: Ulfert Sterz (44) ist neuer Pastor auf der Veddel

von Sabine Deh, VEDDEL
Es kann doch nicht sein, dass im Schatten einer reichen Weltstadt wie Hamburg Menschen hungern und vereinsamen“, sagt Pastor Ulfert Sterz erschüttert. Vor einem halben Jahr ist der 44-Jährige mit seiner Familie auf die Veddel gezogen. Darauf, was ihn hier als Seelsorger der Immanuelkirche erwartet, war er nicht vorbereitet.
Als ihn das Angebot der Nordelbischen Kirche erreichte, griff er mit Freuden zu und verließ seine beschauliche Gemeinde in Mitteldeutschland. Die vermeintliche berufliche Chance erwies sich aber schnell als größte Herausforderung seines Lebens: Der Glockenturm der Kirche muss dringend saniert werden, die Orgel pfeift aus dem letzten Loch und ist nicht bespielbar, und im Keller seines Wohnhauses steht das Wasser knietief. Seine Tochter Johanna (5) und seine schwangere Lebensgefährtin Nina werden seit Wochen von einem hartnäckigen Husten geplagt.
„Das ist aber gar nichts im Vergleich zu all dem menschlichen Elend hier auf der Veddel“, so der sympathische Gottesmann. Er könne nicht glauben, dass eine Stadt, die viele Millionen für den Bau einer Elbphilharmonie ausgibt, ihre Bewohner hungern lässt. Doch leider werde er Tag für Tag eines besseren belehrt. Die meisten seiner Schäfchen würden nicht um göttlichen Segen bitten, sondern um überlebenswichtigen Beistand in Form von Essen, Trinken und Kleidung. Vor allen der Anblick der Kinder, die sich dienstags beim „Veddeler Abendbrot“ im Gemeindehaus auf die Mahlzeiten stürzen, breche ihm fast das Herz. Hinzu kommen alleinstehende, alte Menschen, die in kleinen Wohnungen einsam vor sich hin vegetieren, während draußen im Park Drogendealer ihrer „Arbeit“ nachgehen und Obdachlose mit Hilfe von billigen Schnaps Vergessen suchen.
Ein wenig wirkt Ulfert Sterz wie ein tapferer Kapitän auf einem sinkenden Schiff. Seinen Job als Hausmeister, Postbote und Pastor, um nur einige Facetten seiner Tätigkeit zu nennen, erledigt er im Rahmen einer Halbtagsstelle. Zwar bereiten ihm die chronisch leeren Kirchenkassen und der Mangel an ehrenamtlichen Helfern Sorgen, doch Aufgeben kommt für ihn nicht in Frage: „Gerade hier auf der Veddel will und muss die Kirche Flagge zeigen!“, sagt er mit einem aufmunternden Lächeln.
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