Sturmflut 1962: Das Wasser stieg nur bis zur 8. Stufe

Das Haus am Feldrain am 17. Februar 1962: Das Wasser stieg zum Glück nur bis zum Hochparterre, die Wohnung wurde verschont, der Keller allerdings stand komplett unter Wasser. Foto: privat

Herta Buttgereit (75) und ihre Familie hatte Glück im Unglück

Herta Buttgereit war 25 Jahre alt, als die Sturmflut von 16./17. Februar 1962 über Wilhelmsburg hereinbrach. Damals wohnte die junge Frau mit ihrem Ehemann und den Eltern in einem schönen Häuschen mit Garten und Stall am Feldrain. „Dort wohne ich immer noch“, erzählt die 75-Jährige. Wenn auch manchmal mit einem mulmigen Gefühl. „Wenn Sturmflut ist, gucken wir manchmal am Deich, wie hoch das Wasser ist.“
Die Familie hatte damals Glück im Unglück: Das Wasser überflutete zwar den gesamten Keller des Hauses, doch die Wohnfläche im Hochparterre blieb verschont. „Es waren acht Stufen bis zum Eingang, das Wasser stieg schnell, doch am Podest hörte es auf zu steigen“, erinnert sich Buttgereit.
Eine Nachbarssohn habe die Familie in den Morgenstunden aus dem Bett geklingelt. „Das Wasser kommt von der Brackstraße, hat er geschrien“, erzählt die Rentnerin. Da sei ihr auch klargeworden, woher die komischen Geräusche in der Nacht gekommen waren: „Es klimperte so gespenstisch, das waren die Einmachgläser, die aus den Regalen im Keller fielen, als das Wasser eindrang.“
Später sei der Nachbar mit einem Paddelboot zurückgekommen, um die Familie zu evakuieren, denn die ganze Straße hatte sich in einen Fluß verwandelt. „Es passte immer nur einer ins Boot“, erinnert sie sich. Als die Familie wieder festen Borden unter den Füßen hatte, ging es weiter mit dem Bundeswehrauto nach Harburg.
„Wir waren heilfroh, dass uns nichts passiert war“, so Buttgereit. „Nur unsere fünf Schweine sind abgesoffen, und ein paar Hühner sind später gestorben, die haben wohl zulange im Wasser gestanden.“ Die anschließenden Aufräumarbeiten hat die Wilhelmsburgerin noch in lebhafter Erinnerung. Was sie ärgert: Von den Erholungskuren, die die Stadt für die Flutopfer organisiert hatte, hat ihre Familie nichts gehabt. „Wir waren ja mit dem Aufräumen beschäftigt! In Kur gefahren sind die anderen aus den oberen Etagen der Mietshäuser, die hatten ja nichts zu tun!“, ärgert sich Buttgereit.
Die Sturmflut war übrigens nicht die einzige Naturkatastrophe, die das Haus am Feldrain überdauert hat: fünf Jahre später schlug der Blitz ein, der Dachstuhl brannte lichterloh. „Ich hoffe, das wars jetzt“, so Buttgereit.
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